netzeitung.deNokia bestreitet Job-Offerte für Rumänien

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Baustelle des Nokia-Werkes in Rumänien (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Baustelle des Nokia-Werkes in Rumänien
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Nokia-Konzern hat dementiert, er wolle den Bochumer Beschäftigten als Ausgleich für die Werksschließung Arbeitsplätze in der neuen Fabrik in Rumänien anbieten. Der Betriebsrat hält eine solche Offerte ohnehin für einen «Witz».

In der kommenden Woche will die Führung des Handyherstellers Nokia in Bochum mit Vertretern aus Gewerkschaft und Politik zusammenkommen, um einen möglichen Sozialplan für das dortige Werk auszuarbeiten, das zur Jahresmitte geschlossen werden soll. Nach Informationen der in Düsseldorf erscheinenden Zeitung «Rheinische Post» will Nokia den Beschäftigten aus Bochum unter anderem anbieten, mit nach Rumänien zu wechseln, wohin die Handyfertigung verlagert wird. Das Blatt beruft sich auf unternehmensnahe Kreise.

Der finnische Konzern wies den Bericht zurück. Nokia habe zwar grundsätzlich die Politik, dass sich jeder Mitarbeiter für alle offenen Stellen weltweit bewerben könne. Doch der Konzern sei sich der Tatsache bewusst, dass die meisten Leute es vorzögen, in ihrer Heimat zu bleiben, sagte Konzernsprecherin Arja Suominen am Freitag in Helsinki der Nachrichtenagentur AP.
«Das ist ein Witz»
In Unternehmenskreisen hieß es noch deutlicher: Nokia sei sich darüber im Klaren, dass eine Versetzung der Beschäftigten von Bochum nach Rumänien angesichts der erheblichen Unterschiede zwischen den Ländern keine durchführbare Option sei. Die Vorsitzende des Gremiums, Gisela Achenbach, sagte dem Fernsehsender N24: «Wenn die Situation nicht so ernst wäre, würde ich sagen, das ist ein Witz.»

Insgesamt 2300 Beschäftigte könnten nicht nach Rumänien umgesiedelt werden. Vielleicht gebe es einige Forscher und Entwickler, die sich das überlegen könnten, «aber doch nicht zu den Gehaltsbedingungen, die in Rumänien herrschen», meinte Achenbach. Der Sprecher der IG Metall NRW, Wolfgang Nettelstroth, sagte der Netzeitung, er kenne ein solches Angebot nicht. Es sei aber nicht verwunderlich, dass Unternehmen Mitarbeitern einen Wechsel des Arbeitsplatzes an den neuen Standort anbieten.

Zu Zielen der Arbeitnehmervertretung für einen möglichen Sozialplan wollte Nettelstroth nichts sagen. «Uns geht es weiterhin darum, das Werk in Bochum zu erhalten», betonte der IG-Metall-Sprecher. Der Standort sei profitabel, habe im vergangenen Jahr eine Rendite von 15 Prozent erwirtschaftet und sei zudem hoch innovativ.

Die Nokia-Fabrik sei in Bochum zukunftsfähig aufgestellt, so Nettelstroth. Gewerkschaft und Betriebsrat fordern deshalb von Nokia Zahlen, die den angeblichen Standortnachteil belegen. Für die IG Metall gibt es zudem keinen Grund, bei der Politik nach Fehlern zu suchen, die im Fall Nokia möglicherweise gemacht wurden. Die Beschäftigten sowie die Kommune hätten alles dafür getan, dem Standort eine Zukunft zu geben, sagte der Gewerkschaftssprecher.

Das sieht Nokia-Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo anders. Neben dem Lohnargument führt er an, die Fertigungsstraßen in Bochum seien veraltet, wie finnische Medien berichten. Doch auch die Anschaffung neuer Maschinen würde das Problem nicht lösen, wird er dort zitiert. Kallasvuo verweist darauf, dass der durchschnittliche Handypreis in den vergangenen fünf Jahren um 35 Prozent gefallen sei und sich der Wettbewerb zukünftig noch verschärfe.

Der Nokia-Chef bedauerte am Donnerstag bei der Vorlage der - glänzenden - Jahreszahlen seines Unternehmens zwar die Schmerzen, die der Entschluss zur Werksstilllegung ausgelöst habe. An den Plänen rütteln will er aber nicht. Kein Unternehmen, das sich in einem offenen Wettbewerb befinde, könne den Mitarbeitern eine lebenslange Anstellung garantieren. Vielmehr sollen in Gesprächen mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung «innovative Lösungen» für die Region Bochum gesucht werden, wie Kallasvuo ankündigte.

Bundesbürger wollen mehr auf «Made in Germany» achten
Die IG Metall und der Betriebsrat in Bochum hegen indes weiterhin die Hoffnung, das Werk doch noch erhalten zu können. Betriebsratschefin Achenbach sagte am Donnerstagabend, Nokia könne den zunehmenden Imageschaden auf Dauer nicht aushalten. «Die knicken irgendwie ein, und sei es, dass sie uns nur noch eine halbe Produktion geben», sagte sie. Nokia habe einen Namen zu verlieren, der «Nokia-Stern am Himmel» sei bereits angekratzt.

Dies belegt eine Umfrage im Auftrag der ARD: Demnach will eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger als Konsequenz aus der Schließung des Bochumer Nokia-Werkes in Zukunft stärker darauf achten, in Deutschland produzierte Produkte anzuschaffen. 67 Prozent der 1000 Befragten gaben an, sie wollen künftig nur in Deutschland produzierte Waren kaufen.

Für 30 Prozent spielt das Herkunftsland der Produkte dagegen keine besondere Rolle. Bürger würden dabei für in Deutschland hergestellte Produkte etwas mehr Geld ausgeben. Elf Prozent der Befragten würden deutlich mehr Geld ausgeben, 70 Prozent wären bereit, etwas mehr Geld auszugeben, 16 Prozent würden nicht mehr zahlen.


Für das Web ediert von Matthias Breitinger