Der Traum vom billigen Öl ist längst ausgeträumt
03.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ferner habe der schwache Dollar für eine Flucht in Rohstoffwerte gesorgt neben dem Öl erreichte auch der Preis für Gold am Mittwoch mit rund 860 Dollar je Feinunze einen neuen Rekord. Mit 100 Dollar hat der Ölpreis zwar nominell den höchsten Wert erreicht, den er jemals hatte. Doch rechnet man die Inflation mit hinein, war Rohöl im April 1980 dem Höhepunkt der damaligen Ölkrise noch etwas teurer: Damals kostete ein Barrel nach heutigen Preisen knapp 103 Dollar. In damaligen Preisen lag der Wert bei 39,50 Dollar.
Doch darf das alles nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Ölpreis seit zehn Jahren nur eine Richtung kennt, nämlich nach oben. Längst vorbei sind die Tage billigen Öls. Zur Erinnerung: Im Dezember 1998 kostete ein Barrel an der New Yorker Warenterminbörse Nymex 10,72 Dollar. Binnen weniger als zehn Jahren hat sich die Notierung somit fast verzehnfacht. Dabei machte der Ölpreis allein im vergangenen Jahr einen Sprung um 57 Prozent. Dahinter steckt nicht zuletzt, dass der Rohstoff zunehmend als Anlageform betrachtet wird, von Investoren, die an der tatsächlichen Lieferung des Öls gar nicht interessiert sind.
Ein entscheidender Faktor sind die Ölförderkosten, und die dürften tendenziell steigen, da die leicht zu erreichenden Lagerstätten an Grenzen stoßen, neue Lagerstätten aber häufig in tieferen Erdschichten liegen und damit schwieriger anzuzapfen sind. Zudem befinden sich viele neue Ölfelder, die jetzt erschlossen werden, unter dem Meeresboden und müssen dann erst noch an die weltweiten Pipelines angeschlossen werden, was Jahre dauern kann. Dem steht der anhaltend steigende Ölbedarf gegenüber, vor allem in China und anderen Schwellenländern.
Deshalb wird auch die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) zunehmend skeptisch, den Ölbedarf in den kommenden Jahrzehnten decken zu können. Experten schätzen, dass Ölförderstaaten außerhalb der Opec ihre Förderung nicht entsprechend der Nachfrage steigern können bislang ging man aber davon aus, dass die Opec dies ausgleichen kann. Eine neue Opec-Studie zieht das allerdings in Zweifel. Der starke Anstieg der Nachfrage aus China und Indien lasse die Opec stärker unter Druck geraten, heißt es darin. Womöglich könne die Opec schon im Jahr 2024 die steigende weltweite Nachfrage nicht mehr decken.
Zudem könnte die globale Nachfrage auch wieder etwas nachlassen. Davon gehen Fachleute aus. «Wir wissen, das kommt», sagt der für die Ölmärkte zuständige Direktor an der Internationalen Energieagentur IEA in Paris, Didier Houssin. «Die große Frage ist nur: wann?»
Dennoch schwebt die Warnung vor dem «Peak Oil», dem absoluten Höhepunkt der Ölfördermenge, seit längerem wie ein Damoklesschwert über der Weltwirtschaft. Wird dieser Peak überschritten, käme es bei danach fallenden Fördermengen und gleicher Nachfrage zu starken Preiserhöhungen mit entsprechenden Folgen für die Treibstoffversorgung und die Energiegewinnung, aber auch für die chemische Industrie.
Umstritten ist indes, wann der Höhepunkt überhaupt erreicht wird. Manche Fachleute gehen davon aus, dass man ohnehin erst im Nachhinein feststellen wird, wann der Zenit überschritten wurde. Entsprechend sind sich die Experten auch uneins über die Folgen: Malen die einen Katastrophenszenarien an die Wand, die bis zum Zusammenbruch der industriellen Zivilisation reichen, warnen die anderen vor solchen Horrorbildern. Sie halten Hysterie für unangebracht, da angesichts des technischen Fortschritts die Versorgung noch ausreichend lange gesichert sei, um den Wechsel zu anderen Energieträgern zu bewältigen.

