Autobauer bei CO2-Ausstoß unter Druck
19.12.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Die Bundesregierung hat die Vorschläge zurückgewiesen. Es sei anzunehmen, dass die deutschen Hersteller im Bereich schwerer Autos nicht in der Lage sein werden, die Forderung zu erfüllen, sagte Vizeregierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch in Berlin. Der Vorschlag halte sich nicht an bisherige Absprachen. Über das Thema werde nun im Europäischen Rat und im Europaparlament zu reden sein, sagte Steg.
Trotzdem müssen die Hersteller von so genannten Premiumfahrzeugen mehr leisten, um die Ausstoß-Verminderung herzustellen. EU-Umweltkommissar Stavros Dimas kündigte an, dass ab 2012 für jedes Gramm über dem Grenzwert Strafen gezahlt werden müssten. Diese werden von 2012 an von 20 bis auf 95 Euro im Jahr 2015 steigen. Den deutschen Herstellern drohen also Milliardenverluste.
«Natürlich müssen die großen Autos ihren CO2-Ausstoß mehr senken als die kleineren Autos,» fuhr Gabriel fort. «Aber da müssen alle ran, auch die Hersteller von kleinen und mittleren Autos.» Es gehe nicht darum, große Autos zu verbieten, sondern den durchschnittlichen CO2-Ausstoß in Europa bis 2012 auf 120 Gramm CO2 zu senken, sagte der Minister.
Für die Oppositionspartei sei das Festhalten an eigenen Zielen der Schritt in die falsche ökologische Zukunft, so Bütikofer weiter. «Wer die deutschen Automobilhersteller gegen ehrgeizige Energieeffizenzstandards schützen will und das auch noch zu 'deutschen Interessen' (Ramsauer) verklärt, hat nicht begriffen: Nur die Peitsche ökologischer Innovationspolitik kann verhindern, dass sich die deutsche Autobranche mit ihrer Selbstgefälligkeit um die eigene Zukunft bringt», sagte Bütikofer. «Geradezu dumm ist es, wenn jetzt auch noch nationalistische Töne angeschlagen werden. Traurige Tatsache ist: Die Union ist ordnungspolitisch orientierungslos und versteht nichts von moderner Wirtschaft.»
Während Gabriel einen Angriff auf die deutsche Autoindustrie wittert, sieht der Verkehrsclub Deutschland (VCD) den «Kuhhandel» bestätigt. «Seit 1995 wurden 120 Gramm für 2012 anvisiert. Da kann man jetzt doch nicht mehr von einer Klimapolitik reden, sondern eher von einer Autoindustriepolitik», sagte VCD-Verkehrsreferent Michael Müller-Görnert der Autogazette, dem Autoportal der Netzeitung.
Auch die Strafregelung, dass Hersteller ab 2015 Strafen für Autos zahlen müssen, die die Grenzwerte nicht einhalten, lehnt der Club ab. «Wir wollen, dass die Fahrzeuge effizienter werden. Ein Freikaufen wollen wir auf keinen Fall, sondern einen Grenzwert, der vernünftig ist und den alle erreichen können», so Müller.
Wenn die Politik jetzt festlege, dass CO2-arme Autos in Zukunft weniger kosten würden, würden auch die Kunden zu solchen Fahrzeugen gelenkt. «Dann rentieren sich für die Autobauer auch Investitionen in diesem Bereich», erklärte Dudenhöffer. In der Vergangenheit seien Autobauer auf CO2-armen Wagen sitzen geblieben, weil diese zu teuer gewesen seien. (AG/dpa)

