netzeitung.deStudie: Deutschland steht nicht vor massenhafter Job-Verlagerung ins Ausland

 Herausgeber: netzeitung.de

Trotz hoher Arbeitskosten ist die deutsche Wirtschaft laut einer Studie international wettbewerbsfähig. Daher drohe nicht die massenhafte Abwanderung von Firmen ins Ausland.

Laut einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage der Unternehmensberatungsgesellschaft KPMG unter 172 westeuropäischen Unternehmen droht Deutschland nicht die massenhafte Verlagerung von Jobs in Billiglohnländer. Zwar planten viele westeuropäische Unternehmen, ihre Produktion im unteren Bereich der Wertschöpfungskette sowie Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten an den heimischen Standorten deutlich zurückfahren. «Zumindest mittelfristig werden die Unternehmen aus Westeuropa bei der Produktion besonders hochwertiger Güter immer noch einen klaren Wettbewerbsvorteil haben», erklärte Theodor Kilgert von KPMG.

Zwar lägen die Arbeitskosten in Westeuropa deutlich höher als in anderen Regionen. Die Produktivität in Westeuropa sei aber «sehr hoch und gleicht die hohen Arbeitskosten teilweise aus», heißt es in dem KPMG-Erhebung weiter. Zudem spielten auch Logistik, Qualitätsniveau, Infrastruktur sowie die Transparenz gesetzlicher Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle. Hier komme der Herstellung von forschungsintensiven Hightech-Gütern und Produktinnovationen eine bedeutende Rolle zu.
«Deutschland hält Wettbewerbsdruck stand»
Deutschland - mit einem 2,5 Prozent-Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt - «hält dabei dem Wettbewerbsdruck besser stand als viele andere westeuropäischen Länder», hieß es weiter. Der Erhebung zufolge - an der sich auch 31 deutsche Firmen beteiligt hatten - wollen die befragten Unternehmen den Anteil ihrer Forschungs- und Entwicklungskapazitäten in Westeuropa bis 2007 von 55 auf 49 Prozent senken.

Als Hauptgründe für eine Standortverlagerung wurden Arbeitskosten (65 Prozent) sowie der Zwang zu Rationalisierung und Effizienzsteigerung (48 Prozent) genannt. Auch die Nähe zu Schlüsselmärkten spiele eine entscheidende Rolle, hieß es. 45 Prozent der befragten Unternehmen wollen allerdings innerhalb der nächsten drei Jahre neue Produktionsstätten für höherwertige Güter vorrangig in Westeuropa errichten. 18 Prozent planten diese Investitionen nach China zu verlagern, 10 Prozent nach Indien und in den Asien-Pazifik-Raum und 8,5 Prozent in die neuen osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten. (nz)