netzeitung.deGreenspan bereitet Märkte auf höheren Zins vor

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Fed-Chef Alan Greenspan (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fed-Chef Alan Greenspan
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Fed-Chef Alan Greenspan hält Deflationsrisiken für abgeklungen. Äußerungen, dass die US-Banken für höhere Zinsen gut gewappnet seien, brachten die Aktienmärkte unter Druck.

Mit Äußerungen zur abgeflauten Deflationsgefahr und zum robusten Finanzsektor hat der Chef der US-Notenbank (Fed), Alan Greenspan, die Aktienmärkte auf eine baldige Anhebung der Leitzinsen vorbereitet. Greenspan sagte am Dienstagnachmittag (Ortszeit) vor dem Bankenausschuss des US-Senats in Washington, die Deflationsrisiken, die im vergangenen Jahr noch von Belang gewesen seien, seien kein Thema mehr für die Fed. Der Inflationsdruck sei aber auch nicht zu groß.

Beobachter interpretierten die Aussage dahingehend, dass der für die Zinspolitik zuständige Offenmarktausschuss der Fed schon bei der kommenden Sitzung von der bisherigen Wortwahl einer gleich großen Deflations- wie Inflationsgefahr abrücken könnte. Eine Zinserhöhung schon bei der Sitzung in zwei Wochen wird allerdings nicht erwartet.

Die Märkte erwarten frühestens im Juli oder August eine Anhebung. Der Leitzins für die kurzfristige Geldbeschaffung der Privatbanken liegt seit Ende Juni 2003 auf dem historisch niedrigen Stand von 1,0 Prozent - dem tiefsten Niveau seit den 50er Jahren.

«Lang überfällige» Belebung
Nach Einschätzung Greenspans sind die US-Banken für die Herausforderungen einer Zinsanhebung gut positioniert. Die Finanzinstitute hätten die Schocks der vergangenen drei Jahre gut überstanden und erzielten zum Teil wieder Rekordergebnisse, sagte der Fed-Chef weiter. Die Banken hätten ihre Portfolios und Geschäftspläne angepasst, so dass sie von höheren Zinsen profitieren könnten.

Greenspan zeigte sich erfreut über die zuletzt gut ausgefallenen Konjunkturdaten. In den vergangenen Wochen habe sich die Wirtschaft wieder belebt, sagte der Fed-Chef und verwies auf gute Einzelhandelsdaten und den Auftragseingang für langlebige Güter. Die Verbesserung sei «lang überfällig» gewesen.

Für den erwarteten Aufschwung in den USA sprachen zuletzt auch die Daten zum Arbeitsmarkt. Im März waren mit netto 308.000 neuen Jobs überraschend viele Stellen entstanden, fast dreimal so viele wie erwartet.

Konkreteres vom «Beige Book» erwartet
Die US-Börsen gaben kurz nach der Stellungnahme Greenspans vor dem US-Senat deutlich nach. Zugleich stieg der Dollar gegenüber dem Euro auf ein Vier-Monats-Hoch.

Für Mittwoch wird von der US-Notenbank der jüngste Konjunkturbericht, «Beige Book» genannt, erwartet. Davon erwarten sich die Märkte neue Aussagen zur Nachhaltigkeit der Konjunkturbelebung. Außerdem spricht Alan Greenspan vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses. (nz)