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Stiglitz schlägt Brasilianer für IWF-Spitze vor

19. Apr 2004 09:21
Joseph Stiglitz
Nobelpreisträger Stiglitz hat die Vorgehensweise bei der Auswahl eines neuen IWF-Präsidenten heftig kritisiert. «Die Nationalität des Kandidaten spielt eine herausragende Rolle», sagte er.

Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat mangelnde Transparenz bei der Auswahl der neuen Präsidenten des Internationalen Währungsfonds (IWF) beklagt. «Meine Sorge ist, dass es sich dabei nicht nur um ein Procedere hinter verschlossenen Türen handelt», sagte er dem «Handelsblatt», wie die Zeitung am Montag berichtete. Es gehe nur darum, den bestqualifizierten Europäer zu finden. «Die Nationalität spielt eine herausragende Rolle», sagte er weiter.

Er habe gehofft, dass der IWF «spätestens nach Horst Köhler einen Schnitt macht» und das Thema Transparenz «selbstkritisch» auf die Tagesordnung setzt. Der Fonds habe bei den Krisen in Asien und Russland 1997/98 «schrecklich versagt».

Braslianer bester Kandidat

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Die Schuld tragen nach Meinung des Nobelpreisträgers die USA und auch die Europäer: «Wenn sich Amerika und Europa auf einen offenen Entscheidungsprozess geeinigt hätten, wäre es auch dazu gekommen», fügte er an.

Als möglichen Kandidaten schlug Stiglitz den ehemaligen Direktor der brasilianischen Zentralbank, Arminio Fraga, vor. «Er macht eine hervorragenden Job als Notenbank-Gouverneur in schwierigen Zeiten», begründete er seinen Vorschlag.

Stiglitz sparte zudem nicht mit Kritik an der Arbeit des IWF in der Vergangenheit: «Der IWF hat es bislang versäumt, die tiefer liegenden Schwächen des globalen Finanzsystems anzupacken», sagte er. Den Entwicklungsländern werde durch die Risiken veränderter Zinssätze und veränderter Wechselkurse «eine enorme Belastung aufgebürdet».

Gemischte Bilanz für Köhler

Dem scheidenden IWF-Präsidenten Horst Köhler stellte er eine «gemischte Bilanz» aus: «Im Falle von Argentinien hat der Fonds kläglich reagiert», sagte er. Die potenzielle Krise in Brasilien sei hingegen wesentlich besser gelöst worden. «Grundlegende Reformen im Weltwirtschaftssystem haben nicht stattgefunden.»

Die Entwicklungen in Irak sind für den Wirtschaftsprofessor nicht überraschend: «Der Wiederaufbau des Landes wurde von der US-Regierung völlig falsch eingefädelt», sagte Stiglitz. Es sei ein Fehler gewesen, die große irakische Armee aufzulösen, ohne gleichzeitig für neue Jobs zu sorgen. Außerdem verfüge die Besatzungsmacht über kein besonderes Gespür für die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung.

Stiglitz hat 2001 den Wirtschaftsnobelpreis für seine Theorie der asymetrischen Inormation erhalten. Derzeit lehrt der Wirtschaftsprofessor an der Columbia University in New York. (nz)

 
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