Stiglitz schlägt Brasilianer für IWF-Spitze vor
Er habe gehofft, dass der IWF «spätestens nach Horst Köhler einen Schnitt macht» und das Thema Transparenz «selbstkritisch» auf die Tagesordnung setzt. Der Fonds habe bei den Krisen in Asien und Russland 1997/98 «schrecklich versagt».
Als möglichen Kandidaten schlug Stiglitz den ehemaligen Direktor der brasilianischen Zentralbank, Arminio Fraga, vor. «Er macht eine hervorragenden Job als Notenbank-Gouverneur in schwierigen Zeiten», begründete er seinen Vorschlag.
Stiglitz sparte zudem nicht mit Kritik an der Arbeit des IWF in der Vergangenheit: «Der IWF hat es bislang versäumt, die tiefer liegenden Schwächen des globalen Finanzsystems anzupacken», sagte er. Den Entwicklungsländern werde durch die Risiken veränderter Zinssätze und veränderter Wechselkurse «eine enorme Belastung aufgebürdet».
Die Entwicklungen in Irak sind für den Wirtschaftsprofessor nicht überraschend: «Der Wiederaufbau des Landes wurde von der US-Regierung völlig falsch eingefädelt», sagte Stiglitz. Es sei ein Fehler gewesen, die große irakische Armee aufzulösen, ohne gleichzeitig für neue Jobs zu sorgen. Außerdem verfüge die Besatzungsmacht über kein besonderes Gespür für die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung.
Stiglitz hat 2001 den Wirtschaftsnobelpreis für seine Theorie der asymetrischen Inormation erhalten. Derzeit lehrt der Wirtschaftsprofessor an der Columbia University in New York. (nz)

