netzeitung.deKauf des «Telegraph» würde einen weißen Fleck auf Springers Europa-Karte beseitigen

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Daily Telegraph (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Daily Telegraph
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Springer-Verlag will möglicherweise den «Daily Telegraph» schlucken, um auf dem britischen Markt einzusteigen. Eine Herauslösung des Blattes aus der zum Verkauf stehenden Hollinger-Gruppe scheint mit Hilfe von Haim Saban möglich.

Der Axel Springer Verlag
will sich nicht zu Medienberichten äußern, Europas größter Zeitungsverlag strebe den Kauf des britischen «Daily Telegraph» und der Sonntags-Ausgabe des Blattes, «Sunday Telegraph», an. Eine Konzernsprecherin sagte am Freitag der Netzeitung, es entspreche der Firmenpolitik, sich nicht zu Medienspekulationen zu äußern. Daher könne sie den entsprechenden Bericht des «Handelsblatts» auch nicht dementieren. Die Sprecherin verwies statt dessen auf Äußerung von Springer-Chef Mathias Döpfer auf der jüngsten Hauptversammlung. Demnach prüft der Verlag «regelmäßig» Möglichkeiten zur Erweiterung auch durch Zukäufe.

Die Wirtschaftszeitung hatte am Donnerstag vorab berichtet, Döpfner habe in London persönlich Einblick in die Bücher des «Daily Telegraph» genommen. Im Hintergrund steht der Verkauf der Zeitungsgruppe Hollinger International. In einer zweiten Bieterrunde werden bis Mitte Mai Angebote erwartet. Zu Hollinger zählen neben dem «Telegraph» auch das britische Politmagazin «Spectator», das US-Blatt «Chicago Sun-Times» sowie die israelische «Jerusalem Post».

Hollinger-Gruppe könnte zerschlagen werden
Wie das «Handelsblatt» unter Berufung auf Springer-Kreise weiter berichtete, ist ein Angebot des Verlags gemeinsam mit dem US-Medienunternehmer Haim Saban für die gesamte Hollinger-Gruppe «eher unwahrscheinlich». Die Finanzierung eine möglichen Kaufs des «Telegraph» sei durch Barmittel des Konzerns in Höhe von knapp 300 Millionen Euro sowie die finanzielle Unterstützung der mit knapp 20 Prozent am Springer-Verlag beteiligten Kapitalgesellschaft Hellman & Friedman möglich, hieß es.

Damit ist Saban aber nicht ganz aus dem Spiel: Wie es in dem Bericht weiter hieß, will Springer umgerechnet bis zu einer Milliarde Euro für die britischen Zeitungen zahlen. Interesse an den übrigen Hollinger-Publikationen gibt es aber nicht. Die könnten laut «Handelsblatt» israelisch-stämmigen, inzwischen in die USA eingebürgerten Saban übernommen werde. Möglich sei auch ein Weiterverkauf der übrigen Hollinger-Blätter unter Mitwirkung von Hellman & Friedman.

Großbritannien für Springer ein weißer Fleck
Eine Expansion des Springer-Verlages über Europa hinaus ist jedenfalls nicht denkbar, wie die Netzeitung aus dem Unternehmensumfeld erfuhr. Derzeit konzentriert sich das Auslandsgeschäft auf die Märkte in Osteuropa. Auch in Westeuropa, etwa in Spanien oder Frankreich, sind Publikationen des Verlages auf dem Markt. In Großbritannien hat Springer hingegen keine Aktivitäten.

Ein Kauf des «Telegraph» würde diesen weißen Fleck auf Springers Europa-Karte beseitigen. Darüber hinaus passt die politische Ausrichtung des britischen Blatts durchaus zu Springer – gilt der «Telegraph» doch als Flaggschiff der britischen Konservativen, nachdem die «Times» unter die Kontrolle des australisch-amerikanischen Medienunternehmers Rupert Murdoch geraten ist. (nz)