netzeitung.deSpringer: «Der Personalabbau ist eine traurige Voraussetzung für profitables Wachstum»

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Springer-Chef Mathias Döpfner (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Springer-Chef Mathias Döpfner
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Springer erwartet im laufenden Jahr ein sinkendes Ergebnis, sieht sich aber dennoch in der «Offensive». Den massiven Personalabbau bezeichnete Springer-Chef Döpfner als den «schmerzlichsten Teil unserer Restrukturierung».

Der Axel Springer Verlag
rechnet im laufenden Jahr mit einer Verschlechterung des operativen Geschäfts. Um Chancen zur Gründung neuer Zeitungen im Ausland nutzen zu können, «würden wir auch in Kauf nehmen, dass das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) 2004 nach Anlaufverlusten für größere neue Projekte unter dem des Jahres 2003 liegt», sagte Springer-Chef Mathias Döpfner auf der Hauptversammlung des Unternehmens am Mittwoch in Berlin.

Trotzdem gab sich Döpfner auf dem Aktionärstreffen betont optimistisch: «Unsere wirtschaftlichen Kennzahlen knüpfen an historische Höchststände an», sagte er. «Es geht unserem Verlag in jeder Hinsicht gut.» Am allgemeinen Branchenumfeld könne diese positive Entwicklung aber «wirklich nicht liegen». Es gehe dem Standort Deutschland und der Medienbranche schlecht.

«Mangelnde Reformen, verunsicherte Verbraucher, geringe Kaufkraft, zu hohe Arbeitslosigkeit und eine viel zu hohe Verschuldung zeichnen ein tristes bis tragikomisches Stimmungsbild im Land», kommentierte Döpfner. «Konkret heißt das: Im Printmedienmarkt ist keine Trendwende sichtbar.»

Expansion weiter vorantreiben
International will der Verlag weiter kräftig expandieren. Am Donnerstag startet Springer mit dem Wirtschaftsmagazin «Forbes Russia» auf dem russischen Markt. Eine zweite Springer-Zeitschrift werde mit hoher Wahrscheinlichkeit noch in diesem Jahr in Russland starten. Der Eintritt in den chinesischen Markt werde gerade vorbereitet. «Wir haben auch Ideen in der Schublade, was den deutschen Markt betrifft», sagte Döpfner, ohne Details zu nennen.

Im vergangenen Jahr hatte Springer das Ebita mit knapp 197 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Der Umsatz sank hingegen von knapp 2,8 Milliarden Euro im Vorjahr auf gut 2,4 Milliarden Euro.

Der Verlag teilte zudem am Mittwoch mit, sich mit 14,5 Prozent an der Westfalen-Blatt-Zeitungsverlage GmbH zu beteiligen. Mit fünf Haupttiteln und 25 Lokalausgaben sei das «Westfalenblatt» eine der großen Regionalzeitungsgruppen in Nordrhein-Westfalen, hieß es. Das Bundeskartellamt muss der Beteiligung allerdings noch zustimmen.

Neue Vergütung für den Vorstand
Die Anteilseigner des Springer-Verlags sollen auf der Hauptversammlung zudem einer neuen Vergütung des Vorstands zustimmen. Das fünfköpfige Führungsgremium soll künftig stärker am Erfolg des Unternehmens beteiligt werden. In einem ersten Schritt soll der Vorstand maximal 62.300 Aktien zu einem Preis von 54 Euro kaufen dürfen, wie aus der Einladung zur Hauptversammlung des Konzerns hervorgeht. Derzeit notieren die Papiere bei mehr als 80 Euro.

Für jede erworbene Aktie will Springer den Vorständen eine Option auf acht weitere einräumen. Maximal kann das fünfköpfige Führungsgremium damit 498.400 Aktien erwerben. Die Optionen sind aber wiederum an bestimmte Ziele geknüpft. Das operative Ergebnis muss in den kommenden vier Jahren auf rund 280 Millionen Euro gesteigert werden, sonst verfallen sie zumindest zum Teil.

Vergütungsmodell in Belegschaft umstritten
Innerhalb der Belegschaft des Verlages ist die neue Regelung stark umstritten – hat der Konzern doch seine Ergebnisverbesserung im vergangenen Jahr zum großen Teil durch Stellenstreichungen erreicht. Mit den Stimmen der Hauptaktionärin Friede Springer dürften die Anträge aber durchgewunken werden.

Auch Döpfner führte die aus seiner Sicht positive Bilanz auf den drastischen Sparkurs zurück. Die Mitarbeiterzahl sei «seit Beginn des notwendigen Abbauprogramms» von fast 14.100 auf knapp 11.500 gesunken. «Er ist eine traurige Voraussetzung für profitables Wachstum und die Sicherung der Mehrheit der Arbeitsplätze», fügte Döpfner an. Für die Zukunft kündigte er eine «weiter strikte Kostendisziplin» und das «Vorantreiben unserer Gründungsoffenive» an.(nz)