netzeitung.deUntreue-Prozess gegen Kinowelt-Gründer läuft

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Michael Kölmel (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Michael Kölmel
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Seit Mittwoch steht Kinowelt-Gründer Kölmel wegen mutmaßlicher Untreue vor Gericht. Zum Prozessauftakt wies er den Vorwurf, Aktionäre und Gläubiger um Millionen geprellt zu haben, zurück.

Zwei Jahre nach der Pleite des Medienunternehmens Kinowelt
hat am Mittwoch in München der Prozess gegen den Gründer und früheren Chef Michael Kölmel begonnen. Er muss sich wegen 15-facher Untreue, Betrugs, Insolvenzverschleppung sowie verschiedener Bankrottdelikte vor dem Landgericht verantworten. Zum Prozessauftakt wies der 50-Jährige die Vorwürfe zurück. «Ich kann die Beschuldigungen entschärfen», sagte Kölmel am Rande des Prozesses. Er wolle ein schnelles Verfahren.

Die Anklage wirft Kölmel vor, Aktionäre und Gläubiger der Kinowelt um rund 25 Millionen Euro geschädigt zu haben. Er habe Millionen auf seine Privatkonten umgeleitet, sagte der Staatsanwalt. Außerdem habe er seine private defizitäre Sportwelt GmbH ohne Wissen des Aufsichtsrates an die Kinowelt AG verkaufen wollen und sich dafür vorab widerrechtlich 15 Millionen Euro überweisen lassen.

Zudem habe er immer wieder ohne jeden Anlass hohe Summen von der Kinowelt an Sportwelt überwiesen, deren Schulden unter den Tisch fallen lassen, keine Bücher mehr geführt und eine Insolvenz vorsätzlich verschleppt.

Mutmaßlich Insolvenz verschleppt
Erst im November 2001, als Kinowelt bereits völlig überschuldet war, hatte eine Bank das Insolvenzverfahren gegen das Unternehmen beantragt. Ein halbes Jahr später war das Insolvenzverfahren gegen Sportwelt ebenfalls von einer Bank beantragt worden. Kölmel bestreitet alle Vorwürfe. Sein Sprecher sagte, Kölmel habe sich lediglich Investitionen und privaten Vorleistungen von der Kinowelt zurück erstatten lassen.

Vor dem Landgericht sagte Kölmel am Mittwoch, parallel zum Börsengang der Kinowelt im Mai 1998 habe er zusammen mit seinem Bruder Rainer die Sportwelt zum Handel mit Fußballrechten fürs Fernsehen als «zweites Standbein» neben den Spielfilmrechten gegründet. «Wir wollten das Risiko in der Gründungsphase von der Kinowelt abschirmen», erklärte Kölmel. «Sie wurde vollständig finanziert von meinem Bruder und mir.» Die Kinowelt habe das vertragliche Recht gehabt, die Sportwelt jederzeit zu übernehmen. Die Kaufoption sei genutzt worden - das habe der Aufsichtsrat im Mai 2000 beschlossen.

«Man musste nur noch zum Notar»
«Die Sportwelt war damit im wirtschaftlichen Eigentum der Kinowelt. Man musste nur noch zum Notar gehen», sagte Kölmel. Damit seien die Kinowelt-Zahlungen an die Sportwelt gerechtfertigt. Die 30 Millionen Mark seien ein privates Darlehen an die Sportwelt gewesen, die er sich nach der Übernahme durch die Kinowelt AG habe zurückzahlen lassen.

Der Richter entgegnete: «Das haben Sie möglicherweise falsch gesehen.» Der Aufsichtsrat habe sieben Monate später entschieden, den geplanten Sportwelt-Kauf noch etwas zurückzustellen: «Das ist für mich doch ein gewisser Widerspruch», so der Richter.

Seit Studentenzeiten in Sachen Film unterwegs
Das Gericht hat den Prozess bis Ende Juli terminiert. Bei einer Verurteilung drohen Kölmel mehrere Jahre Gefängnis.

Kölmel hatte als Student in Göttingen ein Filmfest organisiert und so mit dem Filmhandel angefangen. Von 1997 an konzentrierte er sich voll auf dieses Geschäft. Er gründete Kinowelt mit seinem Bruder, gegen den ebenfalls ermittelt wird. Ab 1998 war die Kinowelt AG am Neuen Markt börsennotiert. Ein teuer in Hollywood eingekauftes Filmpaket wurde aber zum Ladenhüter und für Kinowelt damit zum Verhängnis.

Inzwischen haben die beiden Kölmel-Brüder den Kern von Kinowelt mit Zustimmung der Gläubigerbanken wieder übernommen. Der Firmensitz wurde von München nach Leipzig verlegt. (nz)