Untreue-Prozess gegen Kinowelt-Gründer läuft
Die Anklage wirft Kölmel vor, Aktionäre und Gläubiger der Kinowelt um rund 25 Millionen Euro geschädigt zu haben. Er habe Millionen auf seine Privatkonten umgeleitet, sagte der Staatsanwalt. Außerdem habe er seine private defizitäre Sportwelt GmbH ohne Wissen des Aufsichtsrates an die Kinowelt AG verkaufen wollen und sich dafür vorab widerrechtlich 15 Millionen Euro überweisen lassen.
Zudem habe er immer wieder ohne jeden Anlass hohe Summen von der Kinowelt an Sportwelt überwiesen, deren Schulden unter den Tisch fallen lassen, keine Bücher mehr geführt und eine Insolvenz vorsätzlich verschleppt.
Vor dem Landgericht sagte Kölmel am Mittwoch, parallel zum Börsengang der Kinowelt im Mai 1998 habe er zusammen mit seinem Bruder Rainer die Sportwelt zum Handel mit Fußballrechten fürs Fernsehen als «zweites Standbein» neben den Spielfilmrechten gegründet. «Wir wollten das Risiko in der Gründungsphase von der Kinowelt abschirmen», erklärte Kölmel. «Sie wurde vollständig finanziert von meinem Bruder und mir.» Die Kinowelt habe das vertragliche Recht gehabt, die Sportwelt jederzeit zu übernehmen. Die Kaufoption sei genutzt worden - das habe der Aufsichtsrat im Mai 2000 beschlossen.
Der Richter entgegnete: «Das haben Sie möglicherweise falsch gesehen.» Der Aufsichtsrat habe sieben Monate später entschieden, den geplanten Sportwelt-Kauf noch etwas zurückzustellen: «Das ist für mich doch ein gewisser Widerspruch», so der Richter.
Kölmel hatte als Student in Göttingen ein Filmfest organisiert und so mit dem Filmhandel angefangen. Von 1997 an konzentrierte er sich voll auf dieses Geschäft. Er gründete Kinowelt mit seinem Bruder, gegen den ebenfalls ermittelt wird. Ab 1998 war die Kinowelt AG am Neuen Markt börsennotiert. Ein teuer in Hollywood eingekauftes Filmpaket wurde aber zum Ladenhüter und für Kinowelt damit zum Verhängnis.
Inzwischen haben die beiden Kölmel-Brüder den Kern von Kinowelt mit Zustimmung der Gläubigerbanken wieder übernommen. Der Firmensitz wurde von München nach Leipzig verlegt. (nz)

