netzeitung.deSüdamerikaner streiten mit EU um Besetzung des IWF-Chefpostens

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Rodrigo Rato (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Rodrigo Rato
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

19 lateinamerikanische Länder haben sich für den Spanier Rodrigo Rato als neuen Chef des Internationalen Währungsfonds ausgesprochen. Rato werden aber kaum noch Chancen eingeräumt.

Europa und Südamerika sind sich uneins über die Nachfolge von Horst Köhler an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). 19 lateinamerikanische Länder sprachen sich in der peruanischen Hauptstadt Lima für den scheidenden spanischen Wirtschaftsminister Rodrigo Rato als neuen IWF-Chef aus. Rato werden innerhalb der EU jedoch kaum noch Chancen eingeräumt, überhaupt als Kandidat vorgeschlagen zu werden.

Fast alle Teilnehmerstaaten auf der Jahrestagung der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) richteten ein Schreiben pro Rato an den irischen Finanzminister Charles McCreevy, dessen Land derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne hat. Darin werde darauf hingewiesen, dass der IWF-Chefposten von jemandem besetzt werden sollte, der mit den Finanzproblemen Lateinamerikas vertraut sei, sagte der peruanische Wirtschaftsminister Pedro Pablo Kuczynski. Der IWF ist Hauptgeldgeber der so genannten Strukturanpassungsprogramme in Lateinamerika.

Frankreich für Lemierre
Die EU-Finanzminister hatten sich auf ihrem jüngsten Treffen in der vergangenen Woche noch nicht auf einen Kandidaten für die Köhler-Nachfolge geeinigt. Bei der Sitzung wurde aber deutlich, dass Ratos Chancen auf den Posten zusehends schwinden. Frankreich will den derzeitigen Chef der Osteuropa-Bank, Jean Lemierre, als Kandidaten ins Rennen schicken.

Einem Bericht des «Spiegel» zufolge unterstützt die Bundesregierung das Vorhaben der französischen Regierung, wenn Deutschland im Gegenzug einen Deutschen für Lemierres jetzigen Posten entsendet. Die Entscheidung über den europäischen Kandidaten für den IWF-Chefposten soll beim informellen Treffen der EU-Finanzminister Anfang April in Irland fallen.

Köhler hatte sein Amt als IWF-Chef aufgegeben, nachdem er von CDU, CSU und FDP als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten aufgestellt worden war. Der IWF-Chefposten wird traditionell von einem Europäer wahrgenommen, während die Weltbank als Schwesterinstitut von einem US-Amerikaner geleitet wird. (nz)