netzeitung.deRatos Chancen auf IWF-Chefposten schwinden

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Der spanische Finanzminister Rodrigo Rato hat scheinbar kaum noch Chancen, neuer IWF-Chef zu werden. Dagegen ist sein Landsmann Gonzalez Paramo am Donnerstag zum neuen Direktoriumsmitglied der EZB bestimmt worden.

Die EU-Finanzminister haben sich am Donnerstag bei ihrem Treffen in Brüssel noch nicht auf einen Nachfolger für den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, geeinigt. Allerdings wurde bei der Sitzung deutlich, dass die Chancen für den Spanier Rodrigo Rato auf den Posten zusehends schwinden.

Die Entscheidung solle beim informellen Treffen der EU-Finanzminister am zweiten und dritten April in Irland geklärt werden, sagte der luxemburgische Haushaltsminister Luc Frieden. Dies sei ein geeignetes Forum, um sich auf einen Kandidaten zu einigen. Bislang galt der noch amtierende spanische Finanzminister als aussichtsreichster Kandidat.

«Franzosen und Briten sind gegen Rato»
Einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» zufolge sind sowohl die französische als auch die britische Regierung gegen Rato. Auch die Bundesregierung habe Vorbehalte gegen das Mitglied der abgewählten konservativen Regierung unter Ministerpräsident Jose Maria Aznar.

Gerüchten zufolge will Frankreich den bisherigen Chef der Osteuropa-Bank, Jean Lemierre, als eigenen Kandidaten für die Nachfolge Köhlers ins Rennen schicken. Unterdessen dementierten britische Regierungskreise, dass London Ratos Kandidatur ablehne. Die britische Regierung habe sich noch nicht entschieden.

Der designierte sozialistische spanische Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero will indes an Ratos Kandidatur festhalten, obwohl der Finanzminister den Konservativen angehört. Köhler hatte sein Amt als IWF-Chef aufgegeben, nachdem ihn die deutsche Opposition als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten ausgewählt hatte.

Solans-Nachfolge geregelt
Dagegen ist die Nachfolge des Ende Mai aus dem Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) ausscheidenden Spaniers Eugenio Domingo Solans geregelt. Die Finanzminister der Eurozone hätten sich darauf geeinigt, Solans durch seinen Landsmann Jose Manuel Gonzalez Paramo zu ersetzen, sagte der irische Finanzminister Charlie McCreevy. Die Entscheidung sei einstimmig gefällt worden. Gonzalez Paramo ist Mitglied des Exekutivrats der Bank von Spanien.

In diplomatischen Kreisen hatte es zuvor geheißen, es sei unwahrscheinlich, dass Spanien sowohl die frei werdende Stelle bei der EZB als auch den Chefsessel beim IWF besetzen werde. Traditionell wird der IWF von einem Europäer geführt, während der Weltbank ein US-Amerikaner vorsteht. (nz)