Infineon-Aufsichtsrat entlässt Schumacher
Die IG Metall teilte mit, dass es noch am Donnerstagvormittag eine kurzfristig anberaumte Sitzung des Aufsichtsrats gegeben habe. Dabei habe es unter den Kontrolleuren eine «Generalabrechnung über die Strategie des Unternehmens in den vergangenen Jahren» gegeben. Der «von vielen als selbstherrlich kritisierte Führungsstil Schumachers» sei dabei «offenbar ein wesentlicher Punkt gewesen», hieß es weiter. Auch vorstandsintern habe es Streitigkeiten, unter anderem mit Finanzvorstand Peter Fischl und Chief Operating Officer (COO) Andreas von Zitzewitz gegeben.
Wie Infineon weiter mitteilte, wird Max Dietrich Kley das Amt Schumachers kommissarisch für maximal ein Jahr übernehmen. Kley ist der Chef des Aufsichtsrats. Wörtlich heißt es in der Mitteilung: «Der Aufsichtsrat hat von seiner aktienrechtlichen Möglichkeit Gebrauch gemacht, seinem Vorsitzenden, Herrn Max Dietrich Kley, vorübergehend, längstens aber für ein Jahr, den Vorstandsvorsitz der Infineon Technologies AG zu übertragen.» Schumacher stand seit April 1999 an der Spitze von Infineon, als Siemens
Analysten zeigten sich von der Mitteilung vollkommen überrascht. «Wir wissen auch nicht mehr als das, was in der Ad-hoc steht», sagte Analyst Rüdiger Kühnle von der Baden-Württembergischen Bank der Netzeitung.
Zwar habe es vor etwa einem Jahr mal Andeutungen gegeben, dass Schumacher für Infineon kein guter Repräsentant sei - etwa bei der Debatte um eine Verlegung des Firmensitzes ins Ausland. Aber aktuell habe es keinerlei Spekulationen gegeben, die auf eine Ablösung Schumachers hingedeutet hätten. «Da muss irgendwas Größeres im Hintergrund gelaufen sein», vermutete der Experte. Irritiert zeigte sich Kühnle darüber, dass Infineon zunächst keinerlei Gründe für den Schritt nannte.
Die Ablösung eines Vorstandsvorsitzenden durch den Aufsichtsratschef sei an sich nichts Ungewöhnliches und durch das Gesetz gedeckt. Dass aber jemals der Chef eines Dax-Unternehmens auf diese Weise den Posten verloren hätte, daran könne er sich nicht erinnern, sagte der Händler weiter. (nz)

