Infineon-Aufsichtsrat entlässt Schumacher
25. Mrz 2004 16:28, ergänzt 17:45
 | Infineon-Chef Ulrich Schuhmacher | Foto: ddp |
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Der Vorstandsvorsitzende von Infineon, Ulrich Schumacher, ist überraschend vom Aufsichtsrat entlassen worden. Die IG Metall sieht einen Grund in seinem als «selbstherrlich kritisierten Führungsstil».
Der Chef des Chipherstellers Infineon, Ulrich Schumacher, tritt zurück. Schumacher habe sein Amt als Vorstandsvorsitzender des Unternehmens mit sofortiger Wirkung niedergelegt, teilte Infineon am Donnerstag in einer Ad-Hoc-Mitteilung. Auf Anfrage der Netzeitung wollte sich der Konzern zu den Gründen nicht äußern.Die IG Metall teilte mit, dass es noch am Donnerstagvormittag eine kurzfristig anberaumte Sitzung des Aufsichtsrats gegeben habe. Dabei habe es unter den Kontrolleuren eine «Generalabrechnung über die Strategie des Unternehmens in den vergangenen Jahren» gegeben. Der «von vielen als selbstherrlich kritisierte Führungsstil Schumachers» sei dabei «offenbar ein wesentlicher Punkt gewesen», hieß es weiter. Auch vorstandsintern habe es Streitigkeiten, unter anderem mit Finanzvorstand Peter Fischl und Chief Operating Officer (COO) Andreas von Zitzewitz gegeben.
Gewerkschaft bedauert nicht
Kritisiert worden seien unter anderem die «imageschädigenden Standort-Diskussionen», teilte die Gewerkschaft weiter mit. Schumacher hatte mehrfach mit einer Verlegung des Firmensitzes ins Ausland gedroht. Auch die «wenig behutsame Personalpolitik» und die reine Ausrichtung auf den Aktienkurs in der Unternehmensführung sei angesprochen worden. Daher sehe die IG Metall «den Rücktritt Schumachers mit wenig Bedauern» und hoffe, dass die «Zusammenarbeit mit dem noch nicht bekannten Nachfolger sich als konstruktiver erweisen wird.Wie Infineon weiter mitteilte, wird Max Dietrich Kley das Amt Schumachers kommissarisch für maximal ein Jahr übernehmen. Kley ist der Chef des Aufsichtsrats. Wörtlich heißt es in der Mitteilung: «Der Aufsichtsrat hat von seiner aktienrechtlichen Möglichkeit Gebrauch gemacht, seinem Vorsitzenden, Herrn Max Dietrich Kley, vorübergehend, längstens aber für ein Jahr, den Vorstandsvorsitz der Infineon Technologies AG zu übertragen.» Schumacher stand seit April 1999 an der Spitze von Infineon, als Siemens
seine Halbleitersparte ausgliederte.
Analysten vollkommen überrascht
Die Aktien des Halbleiter-Konzerns
gaben in Folge der Nachricht deutlich nach, nachdem sie zuvor noch im festen Marktumfeld mehr als zwei Prozent gewonnen hatten. Später erholten sie sich leicht, gingen aber dennoch mit einem Abschlag von 1,2 Prozent bei 11,02 Euro aus dem Xetra-Handel am Donnerstag. Analysten zeigten sich von der Mitteilung vollkommen überrascht. «Wir wissen auch nicht mehr als das, was in der Ad-hoc steht», sagte Analyst Rüdiger Kühnle von der Baden-Württembergischen Bank der Netzeitung.
Zwar habe es vor etwa einem Jahr mal Andeutungen gegeben, dass Schumacher für Infineon kein guter Repräsentant sei - etwa bei der Debatte um eine Verlegung des Firmensitzes ins Ausland. Aber aktuell habe es keinerlei Spekulationen gegeben, die auf eine Ablösung Schumachers hingedeutet hätten. «Da muss irgendwas Größeres im Hintergrund gelaufen sein», vermutete der Experte. Irritiert zeigte sich Kühnle darüber, dass Infineon zunächst keinerlei Gründe für den Schritt nannte.
Händler ratlos
Auch Aktienhändler fanden zunächst keine Erklärung für den überraschenden Rückzug Schumachers. Ein Händler einer Münchener Bank sagte der Netzeitung, auch in den Handelsräumen gebe es keine weiter gehenden Informationen. Nur eines sei klar: «Es hat gekracht», sagte er mit Blick auf den höchst wahrscheinlichen Streit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat weiter. Dazu, worüber gestritten wurde, gebe es bisher nur Spekulationen.Die Ablösung eines Vorstandsvorsitzenden durch den Aufsichtsratschef sei an sich nichts Ungewöhnliches und durch das Gesetz gedeckt. Dass aber jemals der Chef eines Dax-Unternehmens auf diese Weise den Posten verloren hätte, daran könne er sich nicht erinnern, sagte der Händler weiter. (nz)