Netzeitung Logo

 
DruckenVersenden
 

Googles Verschwiegenheit könnte bald enden

24. Mrz 2004 14:39, ergänzt 14:51
Spätestens wenn Google den Börsengang wagt, muss die Internet-Suchmaschine ihre Finanzen offen legen. Rechtliche Bestimmungen könnten aber schon vorher Erhellendes zu Tage fördern.

Früher als dem Management lieb ist, nämlich möglicherweise bereits bis Ende April, könnte die Internet-Suchmaschine Google ihre Verschwiegenheit in finanziellen Angelegenheiten aufgeben und öffentlich über Erlöse und Erträge berichten müssen. Hintergrund sind gesetzliche Regelungen in den USA, die die Veröffentlichungspflichten der Unternehmen regeln und deren Einhaltung von der Börsenaufsicht SEC überwacht werden, berichtete «CBS Marketwatch» am Mittwoch.

Sollten wirklich Umsatz- und Gewinnzahlen von Google veröffentlich werden, ist die Aufmerksamkeit der Wall Street sicher: Bereits seit Monaten wird über den auch IPO genannten Börsengang der weltweit beliebtesten Suchmaschine für das Internet in regelmäßigen Abständen spekuliert. Genährt werden die Gerüchte nicht zuletzt von absichtlich zweideutigen Äußerungen der Geschäftsführung – und von den beiden Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page, die sich durch den Börsengang auf Einnahmen von mehreren Millionen Dollar freuen können.

Keine Informationen zur Geschäftslage

Mehr in der Netzeitung:
Bislang ist aber unklar, wie die Geschäftslage bei Google wirklich aussieht. Das Unternehmen selbst hält sich mehr als bedeckt: Auf der deutschen Seite der Suchmaschine findet sich lediglich der Hinweis, das Unternehmen, «das sich in Privatbesitz befindet», habe 1999 «Eigenkapitalinvestitionen in Höhe von 25 Millionen Dollar sicherstellen können». Ein Jahr nach der Gründung waren unter anderem die Investorengruppen Kleiner Perkins Caufield & Byers sowie Sequoia Capital eingestiegen. Auch Andy Bechtolsheim, Mitgründer von Sun Microsystems, soll Mittel in ähnlicher Höhe eingebracht haben. In der englischen Ausgabe fand sich laut «Marketwatch» zudem ein – inzwischen entfernter – Hinweis, das Unternehmen arbeite profitabel, wobei genauere Angaben fehlten. Die Zahl der Mitarbeiter wird dort mit «1000 +» angegeben.

Genau das könnte Google zwingen, vor der IPO-Zeit Geschäftsdaten Preis zu geben. Denn den Mitarbeitern werden «Marketwatch» zufolge Aktienoptionen zugesichert. Diese müssen den US-Börsenregeln zufolge zur Zahl der Anteilseigner hinzugezählt werden. Liegt diese über 500, muss ein so genanntes «Form 10» bei der SEC eingereicht werden, das Anteilseigner über die Eckdaten der Firma informiert - und das der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Erzwungener IPO im April?

Dieses Kriterium könnte bereits zum Jahreswechsel erfüllt gewesen sein, mutmaßte ein Rechtsanwalt gegenüber «Marketwatch». Daraus leitete er ab, dass Google bereits bis April ein SEC-Formular einreichen müsse – damit wäre es veröffentlicht. Es sei aber auch möglich, eine Veröffentlichung durch die SEC zu verhindern und nur die Anteilseigner zu informieren, schränkte der Rechtsanwalt ein. Dann müssten allerdings Auflagen erfüllt werden. Er halte es indes für wahrscheinlich, dass Google statt einer «Form 10» gleich einen IPO-Antrag bei der Börsenaufsicht einreicht. Sowohl das Unternehmen als auch die SEC wollten den «Marketwatch»-Bericht nicht kommentieren.

Vielleicht nimmt Google aber lieber SEC-Auflagen in Kauf, als vor der Zeit mit Geschäftsdaten herauszurücken. Denn eine Veröffentlichung würde zwar den um sich greifenden Spekulationen ein Ende bereiten – vielleicht aber auch für Ernüchterung unter den Anlegern sorgen. Auf Basis einer Umsatzschätzung in Höhe von rund einer Milliarde Dollar im Jahr wird zurzeit mit einem Marktwert des Unternehmens von rund 20 Milliarden Dollar gerechnet. Medienberichten zufolge sollen mit den US-Investmenthäusern Morgan Stanley und Goldman Sachs zwei der ersten Adressen an der Wall Street den Börsengang abwickeln.

Hoffnungen könnte enttäuscht werden

Deren Hoffnung auf IPO-Gebühren könnte allerdings eine herbe Enttäuschung erleben, sollten sich in den zu veröffentlichten Google-Zahlen Hinweise darauf finden, dass der lange Zeit unangefochtene Weltmarktführer immer stärkere Konkurrenz bekommt. Zuletzt war die Google-Euphorie gedämpft worden, als Konkurrent Yahoo offiziell Abschied von der Google-Technologie nahm. Mit der Übernahme von Inktomi hatte sich Yahoo zuvor seine eigene Technik eingekauft.

Und schließlich steht – wie immer, wenn es um Computer geht – Microsoft in den Startlöchern: Auch das von Bill Gates gegründete Unternehmen hegt angeblich Pläne, im großen Stil in das Suchmaschinen-Geschäft einzusteigen und so dem hauseigenen schwächelnden Internet-Dienst MSN auf die Sprünge zu helfen.

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
 
Wirtschaftssysteme rund um den Globus: 
Die Varianten des Kapitalismus
Erwartungen an den Weltfinanzgipfel: 
Große Runde, kleiner gemeinsamer Nenner
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Immobiliensuche
Immobilien
immonet
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.