17. Feb 2004 08:54
Disney hat das feindliche Übernahmeangebot von Comcast offiziell zurückgewiesen. Medienberichten zufolge will sich das Unternehmen im Abwehrkampf keinen Weißen Ritter suchen.
Der Verwaltungsrat des US-Medienkonzerns Walt Disney hat das feindliche Übernahmeangebot der Kabelfernsehgesellschaft Comcast am Montagabend (Ortszeit) offiziell zurückgewiesen. In einer Stellungnahme teilte das Unternehmen in Burbank im US-Bundesstaat Kalifornien mit, sollte das Angebot im Volumen von bisher 66 Milliarden Dollar aufgestockt werden, werde das Gremium noch einmal darüber beraten. Zugleich stärkte der Verwaltungsrat Chief Executive Officer (CEO) Michael Eisner den Rücken: Die derzeitige Strategie und Struktur des Unternehmens reiche aus, um den Wert der Disney-Aktie zu steigern, hieß es weiter.Comcast teilte als Reaktion mit, das Unternehmen halte an dem Kaufangebot fest. Disney werde im Rahmen der Offerte bezüglich des Unternehmenswertes und der Aussichten «umfassend und großzügig» bewertet, teilte der Kabelkonzern mit. Comcast hatte in der vergangenen Woche überraschend ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreitet, nachdem Gespräche über eine Fusion mit der Disney-Führung gescheitert waren.
Die «Financial Times» berichtete am Montag ergänzend unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise, dass Disney sich keinen Fusions-Partner zur Verhinderung einer feindlichen Übernahme suchen werde. Vertreter der beratenden Banken Goldman Sachs und Bear Stearns hofften den Verwaltungsrat überzeugen zu können, die feindliche Offerte aus eigener Kraft abwehren zu können. Als mögliche so genannte Weiße Ritter waren in US-Medien zuletzt unter anderem der weltgrößte Software-Konzern Microsoft und der US-Medienkonzern Viacom genannt worden.Dass sich der Verwaltungsrat hinter CEO Eisner gestellt habe, minimiere zudem die Chance, dass das Gremium für die Abwehrschlacht einen anderen Manager als den seit fast zehn Jahren amtierenden Eisner suchen werde, schrieb das Blatt weiter. Viele der möglichen Kandidaten hielten den Posten ohnehin für unattraktiv, weil eine große Chance für den Erfolg des Comcast-Angebots bestehe. Eisner war im Verwaltungsrat zuletzt wegen schwacher Geschäftsergebnisse und seiner Art der Unternehmensführung kritisiert worden. Unter anderem deswegen war Roy Disney, der Neffe des Firmengründers Walt und letztes Mitglied der Disney-Familie, aus dem Board ausgeschieden. (nz)