netzeitung.dePersonal-Service-Agentur Maatwerk ist pleite

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Die Hamburger Zeitarbeitsfirma Maatwerk ist zahlungsunfähig. Tausende Mitarbeiter sind wieder arbeitslos. Damit ist die größte der bisherigen Personal Service Agenturen am Ende.

Die größte Personal-Service-Agentur (PSA) der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist pleite. Die Nürnberger Behörde bestätigte am Montag einen Bericht der «Westdeutschen Allgemeinen», dass die Maatwerk-Gesellschaft für Arbeitsvermittlung beim Hamburger Amtsgericht Insolvenzantrag gestellt habe. Damit stünden 9500 Arbeitslose, die Maatwerk als Leiharbeitnehmer beschäftigt habe, wieder auf der Straße. Außerdem würden auch die 600 Maatwerk-Mitarbeiter selbst ihre Stellen verlieren.

Maatwerk hatte den Angaben zufolge an 66 Standorten 200 der bundesweit 1000 PSAs betrieben und war damit der größte Partner der BA. «Das ist ein starker Rückschlag», sagte BA-Pressesprecher Paul Moser in Nürnberg. Offenbar sei die Weitervermittlung der ehemaligen Arbeitslosen aufwändiger gewesen als erwartet.

PSA von Anfang an umstritten
Die BA versuche jetzt, die Betroffenen in andere PSAs oder Arbeitsstellen zu vermitteln. Das sei aber angesichts der Arbeitsmarktlage nicht einfach. Maatwerk in Hamburg ist eine Tochter des niederländischen Personaldienstleisters Maatwerk.

Die Personal Service Agenturen gelten als Kernstück der Hartz-Reformen: Über die von den Arbeitsämtern eingerichteten und von Fremdfirmen betriebenen Zeitarbeitsfirmen sollen Tausende Arbeitslose in Unternehmen vermittelt werden. Die Bundesregierung hofft auf den so genannten «Klebeeffekt»: Die entleihenden Firmen, so hofft die rot-grüne Koalition, sollten die Zeitarbeiter testen und anschließend übernehmen. So lasse sich der geltende Kündigungsschutz umgehen, denn bis zur Übernahme bleiben die Zeitarbeiter Angestellte der PSA.

Von Anfang an gab es aber Proteste gegen die PSA: Vor allem die Zeitarbeitsbranche beklagte Fehlsubventionen. Tatsächlich zahlen die Arbeitsämter für jeden von einer PSA übernommenen Arbeitslosen eine Prämie, die insbesondere für Bildungsmaßnahmen gedacht sind. Für die Vermittlung des Zeitarbeiters in den ersten Arbeitsmarkt wird eine weitere Prämie gezahlt. Tatsächlich, so die Kritik der herkömmlichen Zeitarbeitsfirmen, würden die Prämien aber zum Lohndumping genutzt. Viele PSAs werden außerdem Insolvenz anmelden oder Mitarbeiter wieder entlassen, sobald keine Subventionen in Form von Prämien flössen, mutmaßten Kritiker.

Forderung nach neuem Konzept
Als erste Reaktion auf die Insolvenz von Maatwerk stellten Zeitarbeitsfirmen und Branchenexperten am Montagabend das gesamte Konzept der Agenturen in Frage. «Die Insolvenz ist eine Katastrophe und bestätigt unsere Befürchtungen, dass die Konstruktion der PSA nicht funktioniert», sagte der Vorstand des Branchenverbandes Zeitarbeit (BZA), Jürgen Uhlemann der «Financial Times Deutschland».

Er forderte, die staatliche Leiharbeit neu auszuschreiben und das Konzept komplett zu überarbeiten. Prämien sollten künftig erst dann ausgezahlt werden, wenn Arbeitslose tatsächlich einen neuen Job gefunden hätten, sagte Uhlemann. (nz)