Billig-Airlines lassen sich von Brüssel nicht bremsen
06.02.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Die Entscheidung der EU-Kommission, dass Ryanair Subventionen zurückzahlen muss, sahen viele als Bremse für die expandierende Branche. Easyjet scheint sich nicht daran zu stören und will in Deutschland neue Strecken eröffnen.
Die britische Billig-Fluggesellschaft Easyjet will von Mai dieses Jahres an den Flughafen Köln/Bonn anfliegen und ist auch an einer Basis in Dortmund interessiert. Das berichtete das «Handelsblatt» am Freitag unter Berufung auf Branchenkreise. Sprecher der beiden Flughäfen bestätigten der Zeitung Gespräche, nannten aber keine Details. Ein Easyjet-Sprecher bezeichnete Nordrhein-Westfalen als attraktiven Markt, wollte aber gleichfalls keine konkreten Angaben machen.
Easyjet nähme den deutschen Markt damit verstärkt ins Visier. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte die Gesellschaft angekündigt, mit sechs Maschinen vom Berliner Flughafen Schönefeld aus zu starten. Es ist die ersten Basis der Airline in Deutschland. Der Schritt galt vor allem als gegen den von der Hauptstadt aus operierenden Billig-Anbieter Air Berlin gewandt. In Köln/Bonn würde Easyjet hingegen vor allem gegen die dort ansässigen deutsche Billig-Fluggesellschaften Germanwings und Hapag-Lloyd Express (HLX) antreten.
Ryanair sieht bereits geringere WachstumsratenDer sich abzeichnende verschärfte Markteintritt von Easyjet kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das enorme Wachstum der Billig-Airlines in den zurückliegenden Jahren zu Ende scheint. Das hatte auch Branchen-Primus Ryanair in der vergangenen Woche eingestehen müssen, als das an der Londoner Börse notierte irische Unternehmen eine veritable Gewinnwarnung herausgegeben und das Ende der zuletzt gewohnten Wachstumsraten bekannt geben musste.
Auch von den Wettbewerbsbehörden kommt Gegenwind: Die EU-Kommission entschied, dass Ryanair illegale Subventionen vom belgischen Regionalflughafen Charleroi erhalten hat. Sie müssen zumindest teilweise zurückgezahlt werden.
In Deutschland wird es engAuch wenn dem deutschen Markt für Billig-Flüge weiter hohe Wachstumsraten zugetraut werden, wird der Platz langsam eng: Neben den schon genannten Billig-Anbietern werben hier zu Lande DBA die frühere Deutsche BA -, Germania und V-Bird um Kunden. Auch die Deutsche Lufthansa
bemüht sich durch Preissenkungen um mehr Passagiere und mischt zudem über die Beteiligung Eurowings, die Muttergesellschaft von Germanwings, indirekt auf dem Billig-Markt mit.
Die Billig-Anbieter haben ihre Strategie angesichts der vielen Konkurrenten bereits leicht verschoben: Statt wie früher nur Städte anzufliegen, werden zunehmend auch touristische Ziele angesteuert. Vorreiter war hier die HLX, eine Tochter des Reisekonzerns Tui
. Die übernahm allerdings vor allem Strecken, die von der ebenfalls zu Tui gehörenden Urlaubs-Fluggesellschaft Hapag Lloyd Flug aufgegeben wurden. (nz)