netzeitung.deDiscounter erobern Hälfte des Lebensmittelmarkts

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Lebensmittel-Discounter wie Aldi und Lidl werden einer Studie zufolge in wenigen Jahren die Hälfte des deutschen Marktes ausmachen. Langfristig soll der Trend zum Billigeinkauf aber zu Ende gehen.

Aldi, Lidl und Co. werden in wenigen Jahren fast die Hälfte des deutschen Lebensmittelmarktes erobert haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie über die Konzentration im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel, die der Wirtschaftsprüfer KPMG und das Euro-Handelsinstitut (EHI) am Donnerstag in Berlin vorgestellt haben.

Die Discounter würden ihren Marktanteil von derzeit 36 Prozent in den nächsten fünf Jahren auf 45 Prozent ausbauen, heißt es dort. Allerdings würden nicht zuletzt in Folge der Demografie die Ansprüche an Produktqualität, Inhaltsstoffe und Service kontinuierlich steigen. Dadurch werde das derzeit stark ausgeprägte Preisbewusstsein bei den deutschen Verbrauchern wieder mehr in den Hintergrund treten.

10.000 Insolvenzen pro Jahr
Die Konzentration im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel hat sich nach Erkenntnissen der Wirtschaftsprüfer in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. So sei der Anteil der zehn führenden Branchenriesen am Gesamtumsatz von 45 Prozent im Jahr 1990 bis Ende 2002 auf 84 Prozent angestiegen, heißt es in der Studie. Die Zahl der kleineren Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte mit weniger als 400 Quadratmetern Ladenfläche habe sich seit 1980 halbiert.

Eine Trendwende ist demnach nicht in Sicht: Die Zahl der jährlichen Insolvenzen in der Branche werde bis zum kommenden Jahr auf über 10.000 ansteigen, prognostiziert die Studie. 2002 wurden knapp 7500 Pleiten gezählt. «In dem gesättigten deutschen Markt können Marktanteile nur noch durch die Verdrängung von Mitbewerbern gewonnen werden», resümiert KPMG-Experte Frank Pietersen. Inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte wie kleinflächige Supermärkte oder Kioske würden bis 2010 in den Innenstadtlagen «aussterben» und nur noch in ländlichen Regionen überleben.

«Smart Shopper» auf dem Vormarsch
Deutliche Umsatzzuwächse hätten in den vergangenen drei Jahren nur noch drei Typen von Einzelhandelsunternehmen erwirtschaftet, hieß es weiter: erstens die «Top 3» Metro
, Rewe und Edeka mit ihrem hohen Auslandsengagement, zweitens die Discounter Aldi, Lidl und Schlecker - und drittens regionale Anbieter, die dem Wunsch der Verbraucher nach heimischen Produkten entsprochen hätten.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass sich der Lebensmittel-Einzelhandel in Zukunft zunehmend auf «qualitätsbewusste Kunden und Smart Shopper» einstellen muss. Zurzeit ziele die gesamte Branche zu einseitig auf Schnäppchenjäger, die sich an keine Marke gebunden fühlten. Erfolg versprechender sei es, etwa auf Produkte mit unbedenklichen Inhaltsstoffen für Diabetiker, einen Lieferservice für Senioren und Singlepackungen zu setzen. (nz)