Versicherer haften nicht für Handystrahlung
28.01.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Umstritten: Gefährdung durch Mobilfunkstrahlung
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Versicherer halten das Risiko der Mobilfunkstrahlung für unkalkulierbar. Aus Angst vor einem «Desaster» wie seinerzeit bei Asbest wird in Policen für Handyfirmen die Haftung gestrichen.
Führende Versicherungsunternehmen in Deutschland halten die Gesundheitsgefahren der Mobilfunkstrahlung für nicht einschätzbar und haben deshalb dieses Risiko in ihren Policen ausgeschlossen. Das teilten die beiden weltgrößten Makler für Industrieversicherungen, Marsh und Aon, am Mittwoch in Frankfurt am Main und Hamburg mit.
Rückversicherer, bei denen die Direktanbieter von Policen ihre Risiken absichern, drängten seit Jahren «auf Einschränkungen beim Thema Elektrosmog», sagte Andreas Ingerfeld von Aon Deutschland der Nachrichtenagentur AFP. Dies schlage nun auch auf die Haftungsbedingungen bei den Erstversicherern durch. Der Ausschluss gelte dabei «überwiegend schon für 2004», sagte Georg Bräuchle, Geschäftsführer von Marsh Deutschland.
Bitkom: Nicht vorhandene RisikenDamit wird es für Handyhersteller und Mobilfunkbetreiber immer schwerer, sich gegen mögliche Schadenersatzforderungen bei Schäden durch Elektrosmog zu versichern. Doch der Telekom-Branchenverband Bitkom hält das auch für gar nicht mehr notwendig: Die Gesundheitsrisiken seien nämlich gar nicht vorhanden.
Auch neueste Forschungen zeigten, «dass Radiowellen bei Einhaltung der Grenzwerte keine Gesundheitsschäden verursachen», erläuterte der Verband. Das Thema Versicherungen sei deshalb «obsolet». Bräuchle wies hingegen darauf hin, dass der Ausstieg der Branche aus dem Mobilfunkrisiko nichts über die tatsächliche Gesundheitsgefährdung aussage. Die gesundheitlichen Folgen der Strahlung von Handys und Sendeanlagen ist seit Jahren umstritten.
Asbest als Negativ-VorbildBräuchle sagte, Grund für die Zurückhaltung der Versicherer sei die Furcht vor einem zweiten «Asbest-Desaster». Jahrzehntelang galt Asbest als unbedenklich und wurde als Feuerschutz verbaut. Als bewiesen war, dass Asbest krebserregend ist, kamen auf die Versicherer Kosten in Milliardenhöhe zu. Die Branche wolle nun verhindern, beim Mobilfunk ein weiteres Mal einem unkalkulierbaren Risiko gegenüberzustehen, so Bräuchle. (nz)