22. Jan 2004 14:23
Ein Foto erregt die Gemüter: Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann mit dem «Victory»-Zeichen zu Beginn des Mannesmann-Prozesses.
Kein deutscher Wirtschaftsführer kann so charmant und sympathisch lächeln wie der gebürtige Schweizer und Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Heute morgen freilich muss ihm das Lachen vergangen sein. Der Blick in die Tageszeitungen zeigt einen geradezu ausgelassen strahlenden Sieger-Menschen, der dem Fotografen das Victory-Zeichen entgegenstreckt – zu Beginn des Mannesmann-Prozesses, in dem Ackermann und andere wegen angeblich schwerer Untreue vor Gericht stehen. Bilder haben eine eigene Sprache. Das Ackermann-Bild sagt uns: «Was kümmert mich das Geschwätz der Justiz, ich werde auch in Zukunft Millionen scheffeln und Millionen verteilen.» Solche Klischees sind ohnehin in den Köpfen vieler Bürger, und sie werden durch diese Bildsprache dramatisch verschärft.Die Wirkung ist fatal, sie trifft die gesamte Wirtschaftselite. Der Kommunikationsgau ist innerhalb kurzer Zeit der zweite, nachdem Commerzbank-Chef Müller kurz vor Weihnachten in einer Nacht- und Nebelaktion Betriebspensionen gekürzt - und den Vorstand davon ausgenommen hatte. Da sind gleich zwei brillante Bankmanager von allen guten Geistern verlassen worden. Der Schaden, den sie angerichtet haben, ist kaum wieder gut zu machen.
Der Bürger hat für diese ganze Abfindungsorgie nicht das geringste Verständnis, ob sie nun strafrechtlich relevant war oder nicht. Das zeigen schon jetzt die empörten Äußerungen von Bürgern in allen Medien. In einem Verfahren, das schon jetzt als einmalig in der Wirtschaftsgeschichte eingestuft wird, kann man sich ein solches Foto nicht einmal nach einem Prozesserfolg leisten. Dieses Foto wird Folgen haben. Die Peanuts von Kopper waren ja noch lustig. Das Siegerzeichen von Ackermann ist der Anfang vom Ende seiner steilen Karriere, leider.