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Esser wirft Anklägern im Mannesmann-Prozess «Verleumdung und Beleidigung» vor

22. Jan 2004 14:29, ergänzt 21:55
Ex-Mannesmannchef Klaus Esser
Der ehemalige Mannesmann-Chef Klaus Esser hat die Staatsanwaltschaft massiv kritisiert. Die Angeklagten wurden indes scharf von Regierungs- und Oppositionspolitikern attackiert.

Thema: Der Mannesmann-Prozess
Im Mannesmann-Prozess hat der ehemalige Vorstandsvorsitzende Klaus Esser scharfe Kritik am Vorgehen der Staatsanwaltschaft geübt. Mit Blick auf den Vorwurf der Käuflichkeit warf er den Anklägern am Donnerstag «Verleumdung und Beleidigung» vor. Die Bemühungen der Staatsanwaltschaft «um eine massive Vorverurteilung» seien jedoch von der Wirtschaftskammer zurückgewiesen worden, sagte er vor dem Landesgericht in Düsseldorf.

Er verwies darauf, dass ein entsprechender Passus am Mittwoch, dem ersten Prozesstag, eigens von der Kammer verlesen worden sei. Das Gericht war in einem Beschluss vom Oktober vergangenen Jahres zu der Auffassung gelangt, dass es nach Aktenlage keine Anhaltspunkte für eine Käuflichkeit Essers gebe.

Aktionäre haben keinen Schaden genommen

Hintergrund:
Esser wies zugleich die gegen ihn gerichteten Vorwurf der Untreue zurück: «Aus meiner Sicht ist der damalige Handlungsablauf nirgends auch nur in der Nähe eines Untreue-Verdachts.» Durch die Zahlungen von Anerkennungsprämien an Mannesmann-Vorstände sei zudem niemandem ein Schaden entstanden. Vielmehr hätten die Aktionäre des Unternehmens durch die Wertsteigerung der Aktie im Zuge der Übernahme durch Vodafone «Riesengewinne» gemacht.

Die Stellungnahmen der Angeklagten standen im Mittelpunkt des zweiten Verhandlungstags. Vor Esser hatten bereits Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Ex-Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk sowie der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel ausgesagt.

Scholz: «Zynismus hoch dotierter Manager»

Die Aussagen der Angeklagten sind bei SPD und beim Arbeitnehmerflügel der Union auf scharfe Kritik gestoßen. SPD-Generalsekretär Scholz sagte am Donnerstag in Berlin, den Angeklagten fehle offenbar jeder Bezug zu den Menschen im Lande.

CDA-Chef Hermann-Josef Arentz kritisierte die erschütternde «Raffgier» einzelner Manager. Er sprach in der «Westfalenpost» von einem Lehrstück für den Verfall der Moral. «Die selben Leute, die den Arbeitnehmern Bescheidenheit predigen, schieben Vorständen 111 Millionen Mark Prämien zu.»

Auch Scholz sprach von «unglaublicher Arroganz» und dem «Zynismus hoch dotierter Manager». Es gehe bei dem Prozess auch um Moral. «Das zu verstehen, fällt den Männern auf der Anklagebank offenbar schwer. Das ist die eigentliche Tragödie dieses Prozesses.» Die juristische Anklage laute auf Untreue. «Die moralische Anklage lautet: Verhöhnung der arbeitenden Menschen in Deutschland», erklärte Scholz. (nz)

 
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