20.01.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Infineon-Chef Ulrich Schumacher
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wie erwartet prasselte auf der Infineon-Hauptversammlung harsche Kritik auf das Management des Chipherstellers nieder. Konzernchef Schumacher rechnet mit mehr Halbleiterverkäufen in diesem Jahr als bisher.
Vertreter von Aktionärsorganisationen und Fonds-Manager haben das Aktienoptionsprogramm für das Management von Infineon
auf der Hauptversammlung des Unternehmens am Dienstag in München in teils scharfer Form angegriffen. Eine Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte, das Programm habe «den Geruch von Selbstbedienung». So komme der Vorstand bereits bei einer Kurssteigerung von 0,7 Prozent in den Genuss von Bonus-Leistungen. Das sei angesichts der «satten Verluste» der vergangenen Jahre «grob instinktlos».
Ein Vertreter der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (SdK) verwies darüber hinaus darauf, dass sich der Aktienkurs bei Ausgabe der Optionen auf historisch niedrigem Niveau bewegt habe. Ein Anstieg erfolge daher auch «ohne besondere Managementleistung» quasi automatisch. Beide Aktionärsschützer bekräftigten die frühere Ankündigung, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern.
«Schlechter als vergleichbare Unternehmen»Ein Fondsmanager von Union Investment schloss sich den Aktionärsschützern an, ging aber über die von ihnen geäußerte Kritik noch hinaus. Die Performance von Infineon sei «schlechter als die vergleichbarer Unternehmen», sagte er. Das Management sei daher mitverantwortlich für die schwache Entwicklung des Aktienkurses im vergangenen Jahr. Der Kursverfall liege auch an der «enttäuschenden Prognose-Qualität» des Vorstandes, sagte der Fondsmanager weiter. So habe die Unternehmensleitung zu lange an überholten Vorhersagen festgehalten.
Infineon hatte in den zurückliegenden drei Jahren Milliardenverluste erwirtschaftet und hatte erst im Schlussquartal 2003 die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Dennoch steht für das Gesamtjahr unter dem Strich ein Fehlbetrag von 435 Millionen Euro in den Büchern. Dem Vorstand waren für das am 30. September 2003 beendete Geschäftsjahr 2002/03 Aktienoptionen im Volumen von insgesamt 750.000 Stück gewährt worden.
Schumacher etwas optimistischerWie schon am Vortag blickte Vorstandschef Ulrich Schumacher optimistisch in die Zukunft der Chipbranche und des Unternehmens. «Wir rechnen damit, dass das Marktvolumen weltweit um etwa 20 Prozent zulegen wird», sagte er. Zuletzt hatte er ein Plus von 18 Prozent unterstellt. Wie bereits bei Vorlage der jüngsten Quartalszahlen am Montag bekräftigte Schumacher, Infineon werde stärker wachsen als der Gesamtmarkt.
Ziel sei es, den Konzern bis 2007 mit einem Marktanteil von sechs Prozent zum weltweit viertgrößten Chiphersteller zu machen und damit um einen Platz aufzurücken. Wachstumsimpulse kämen vor allem aus der Kommunikations- sowie der Automobilindustrie, die stärker als bisher Halbleiter kaufen würden. Mit einem Absatzplus sei vor allem ind er Region Asien-Pazifik und speziell in China zu rechnen, sagte Schumacher. (nz)