Ackermann und die Anerkennungsprämien
19. Jan 2004 12:29, ergänzt 21. Jan 2004 12:37
 | Josef Ackermann, Klaus Zwickel und Josef Esser (vlnr.) | Foto: ddp |
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Abfindungen in dreistelliger Millionenhöhe: In dieser Woche beginnt in Düsseldorf der Mannesmann-Prozess. Deutsche-Bank-Chef Ackermann muss sich zusammen mit anderen Wirtschaftsgrößen dem Verdacht der Untreue erwehren.
In dieser Woche beginnt eines der umstrittensten Gerichtsverfahren in der deutschen Wirtschaftsgeschichte: der Mannesmann-Prozess. Die Mannesmann AG, einst ein Flaggschiff der deutschen Industrie, wurde nach einer Monate dauernden Übernahmeschlacht Anfang 2000 für die damals unglaubliche Summe von mehr als 180 Milliarden Euro an den britischen Konkurrenten Vodafone verkauft.Aber nicht der Kauf und die folgende Zerschlagung des Unternehmens steht im Mittelpunkt des Gerichtsverfahrens, sondern die nachfolgenden Abfindungszahlungen an das Mannesmann-Management. Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge wurden insgesamt mehr als 60 Millionen Euro an Abfindungen und Boni an führende Manager, Aufsichtsräte und Pensionäre gezahlt.
Vorwurf der Untreue
Der Vorwurf der Ermittler lautet dementsprechend auf Untreue. Gerade die Politik hat die Bedeutung des Verfahrens nicht nur einmal hervorgehoben: «Der Mannesmann-Prozess wird geführt, weil bei uns nicht die unternehmerische Freiheit, sondern Rechtstaatlichkeit oberstes Prinzip ist», meint der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Harald Schartau (SPD). Die Liste der Namen, an die der Vorwurf gerichtet ist, ist lang: Allen voran stehen Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, und Klaus Zwickel, ehemaliger Chef der IG Metall. Beide saßen zum Zeitpunkt der Übernahme im Aufsichtsrat der Mannesmann AG und stimmten für (Ackermann) oder zumindest nicht gegen (Zwickel) die Abfindungen.
Esser bekam «Anerkennungsprämie»
Der Wettlauf um immer höhere Boni wurde von dem damaligen Mannesmann-Großaktionär Hutchison Whampoa losgetreten. Der Konzern wollte dem damaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser Gutes tun und ihm für die enorme Wertsteigerung der Aktien während seiner Amtszeit eine «Anerkennungsprämie» zukommen lassen. 15 Millionen Euro sollte Esser erhalten. Immerhin hatte der Mannesmann-Chef während der Übernahmeschlacht den Kaufpreis von Mannesmann von 124 Milliarden Euro auf über 180 Milliarden Euro gesteigert.Als Esser den Betrag mit seinen wichtigsten Mitarbeitern teilen wollte, verdoppelte Hutchison Whampoa kurzerhand die vorgeschlagene Summe. Der neue Eigentümer Vodafone hatte keine Einwände. Der Aufsichtsrat musste den Abfindungen ebenfalls zustimmen und tat dies auch: Den Aussagen von Ackermann zufolge hatte Zwickel – immerhin Vertreter der Arbeitnehmerseite - «damit kein Problem».
Alle wollten beteiligt werden
Die hohen Summen für das Management weckten aber Begehrlichkeiten im Aufsichtsrat. Der Vorsitzende des Kontrollgremiums und Vorgänger Essers, Joachim Funk, wollte an der so genannten «Anerkennungsprämie» beteiligt werden. Hier hatte Ackermann, der damalige stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, keine Bedenken, weil «in der Zeit des Vorstandsvorsitzes von Herrn Professor Dr. Funk die Basis für den Erfolg der Telekommunikationssparte von Mannesmann gelegt worden war».Auf der folgenden Sitzung des Aufsichtsrats wurde dementsprechend eine Beteiligung Funks an den Prämien beschlossen – Funk stimmte dabei für die eigene Prämie. Ein Aktenvermerk der Wirtschaftsprüfer von KPMG («Das geht so überhaupt nicht») führte zu einer neuen Abstimmung, diesmal ohne Funk - aber mit dem gleichen Ergebnis.
Auch ehemalige Vorstandsvorsitzende wurden großzügig bedacht, mit so genannten «Alternativpensionen» in einer Gesamthöhe von 32,2 Millionen Euro - fast doppelt so viel wie nach Auffassung der Staatsanwaltschaft angemessen gewesen wäre. Ackermann und Zwickel erhielten selber keinen Cent.
«Ackermann hat niemanden geschädigt»
Die Anwälte von Ackermann sehen bei ihrem Mandaten kein Fehlverhalten: «Ackermann hat seine Pflichten als Aufsichtsrat nicht verletzt und niemanden geschädigt. Er hat die Zahlungen nicht veranlasst und auch kein Geld erhalten. Deshalb marschieren wir fest auf einen Freispruch zu», sagte Ackermann-Anwalt Klaus Volk in einem Interview. Bei einer Verurteilung werde er in Revision gehen.Der Prozess beginnt an diesem Mittwoch vor dem Düsseldorfer Landgericht. Neben Ackermann, Funk, Zwickel und Esser stehen auch der damalige Personalvorstand Dietmar Droste und der frühere Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ladberg wegen des Verdachts der Untreue oder der Beihilfe dazu vor Gericht. Als Höchststrafe drohen zehn Jahre Haft. (nz)