netzeitung.deStreit bei Disney bricht offen aus

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Disney-Chef Michael Eisner (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Disney-Chef Michael Eisner
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das letzte Mitglied der Disney-Familie hat sich im Streit aus dem Verwaltungsrat zurückgezogen. Zugleich forderte Roy Disney - Neffe von Firmengründer Walt - erneut den Rücktritt von Konzernchef Eisner.

Mit Roy Disney hat das letzte Mitglied der Disney-Familie am Sonntag überraschend den Rücktritt aus dem Verwaltungsrat des US-Unterhaltungskonzerns erklärt. US-Medien berichteten, zuvor sei der 73-jährige Roy Disney nicht mehr für die Wiederwahl in das Leitungs- und Aufsichtsgremium vorgeschlagen worden. Der Konzern habe das mit seinen Regeln zur Unternehmensführung begründet: Dort ist für die Verwaltungsratsmitglieder ein Höchstalter von 72 Jahren festgelegt.

Mit Roy Disney verlässt das letzte noch in der Unternehmensleitung aktive Mitglied der Disney-Familie den Konzern. Roy ist der Neffe des Firmengründers Walt Disney und hält inzwischen weniger als ein Prozent an den Aktien des Konzerns. Sein gleichnamiger Vater hatte das Unternehmen gemeinsam mit Bruder Walt gegründet.

Scharfe Angriffe auf Eisner
Bereits seit mehreren Jahren schwelt ein Streit zwischen Roy und Chief Executive Officer (CEO) Michael Eisner. Dabei hatte Disney für die Berufung an die Konzernspitze gesorgt, als das Unternehmen 1984 in einer Krise steckte und die Zerschlagung drohte. In seinem Rücktrittsschreiben forderte Disney Eisner erneut zum Rücktritt auf: «Ich glaube ernsthaft, dass Sie es sein sollten, der zurücktritt, und nicht ich», schrieb Disney an Eisner.

Zugleich legte er eine lange Liste an Beschwerden über Eisner Führungspolitik vor. So griff er den CEO an, weil dieser sich bislang weigerte, Planungen zu seiner Nachfolge vorzulegen. Auch habe er es nicht geschafft, eine enge Zusammenarbeit mit Kooperationspartner wie Pixar aufzubauen. Das Animations-Unternehmen ist für die technische Umsetzung von Disney-Kinofilmen wie zuletzt «Findet Nemo» verantwortlich. Darüber hinaus habe es Eisner nicht geschafft, den angeschlagenen Disney-Fernsehsender ABC auf die Erfolgsspur zurückzubringen.

Eisner sucht den «schnellen Dollar»
Auch sei ihm vorzuwerfen, dass unter seiner Führung die Disney-Freizeitsparks immer schlechter liefen, schrieb Disney weiter an Eisner. Der CEO habe versucht, die Freizeitparks in Kalifornien, Paris und jüngst in Hongkong möglichst billig aufzubauen. «Das sieht man ihnen an, und die Besucherzahlen spiegeln das wider.»

Unter Eisners Führung werde der Konzern von jedem, der mit ihm zu tun hat, als «habgierig» und «seelenlos» empfunden – ein Unternehmen, das «eher den schnellen Dollar als einen langfristig gesteigerten Unternehmenswert sucht».

Konzern-Verwaltungsrat tagt bis Dienstag
Wie das «Wall Street Journal» auf seiner Internetseite berichtete, kommt der Schritt Disneys überraschend. Er habe in den vergangenen Monaten keine Stimmung gegen Eisner gemacht, hieß es. Quellen in Disneys Umfeld hielten es aber für möglich, dass sich der Neffe des Firmengründers jetzt in der Öffentlichkeit verstärkt gegen Eisners Führung aussprechen werde. Als Mitglied des Verwaltungsrats waren im öffentliche Aussagen nur mit Genehmigung seiner Kollegen möglich.

Roy Disney hatte dem Verwaltungsrat des Konzerns seit 1967 angehört. Im Krisenjahr 1984 war er allerdings für kurze Zeit genauso überraschend wie jetzt zurückgetreten – und hatte damit für die Berufung Eisners an die Konzernspitze gesorgt. Ob ihm ein ähnlicher Coup diesmal gelingt, scheint fraglich: Sein Einfluss als Aktionär ist sehr gering, so dass er die Unterstützung weiterer Anteilseigner benötigt. Ob diese angesichts der zuletzt wieder besser laufenden Geschäfte dazu bereit sind, ist offen. Dem «WSJ» zufolge tritt der Disney-Verwaltungsrat am Montag und Dienstag zu einer turnusmäßigen Sitzung zusammen. (nz)