Bewährungsstrafe für Infomatec-Gründer
27.11.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Infomatec-Chef Gerhard Harlos
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Gerhard Harlos muss nicht ins Gefängnis. Das Augsburger Landgericht verurteilte den Mitgründer der Softwarefirma Infomatec zu einer Bewährungsstrafe. Seinem ehemaligen Partner Alexander Häfele droht Haft.
Das Landgericht Augsburg hat den Mitgründer der insolventen Infomatec-AG
, Gerhard Harlos, am Donnerstag wegen Insiderhandels zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss der 42-jährige eine Geldstrafe von 9000 Euro bezahlen. Sein Vermögen von Harlos in Höhe von 380000 Euro fällt an die Staatskasse. Harlos lebt nach eigenen Angaben mittlerweile von der Unterstützung durch seine Mutter.
Strafmilderung wegen GeständnisUrsprünglich hatte die Staatanwaltschaft Harlos nicht nur wegen Insiderhandels, sondern auch wegen Kurs- und Kapitalbetrugs sowie Gründungsschwindel angeklagt. Die beiden letzteren Punkte wurden aber nach einem Teilgeständnis fallengelassen. Der Prozess gegen den mitangeklagten Alexander Häfele wird aber fortgesetzt. Er hatte sich der Vereinbarung zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft nicht angeschlossen. Nach Angaben des Landgerichts droht ihm jetzt eine Haftstrafe ohne Bewährung.
Staatsanwalt Uwe Huchel verteidigte in seinem Plädoyer die Absprache mit der Verteidigung als «gute Lösung». Harlos habe mit seinem Geständnis «die Mauer des Schweigens durchbrochen, wie sie für Insidergeschäfte typisch ist». Auch würdigte er, dass der Angeklagte erneut als Vorstand unentgeltlich versuche, das Unternehmen zu retten. Huchel rückte vom Anklagevorwurf ab, Harlos und Häfele hätten ihr Unternehmen einzig zum Zweck des Betrugs aufgebaut. Harlos habe beweisen können, dass die von Infomatec entwickelte Software tatsächlich funktioniere.
Kleinanleger um Millionen Euro geprelltDie Staatsanwaltschaft warf ursprünglich beiden Geschäftsleuten vor, bereits 1998 bei der Gründung des Software-Unternehmens falsche Angaben gemacht und damit den Aktienkurs in die Höhe getrieben zu haben. Nur wegen dieser Praxis sei Infomatec am Neuen Markt zugelassen worden, so die Staatsanwaltschaft. Anschließend hätten Harlos und Häfele durch falsche Pflichtmitteilungen und zu hoch angesetzte Umsatzerwartungen den Aktienkurs erneut manipuliert.
Schließlich sollen beide ihr Wissen genutzt haben, um ihre eigenen Aktien rechtzeitig mit hohem Gewinn zu verkaufen. Damit erzielten sie ein Millionenvermögen. Nach der Korrektur der Umsatzprognose war der Aktienkurs eingebrochen. Die Staatsanwaltschaft schätzt den mutmaßlichen Schaden auf rund 250 Millionen Euro (nz)