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Bafin kritisiert Rating-Agenturen

21. Nov 2003 10:06
Bafin-Chef Jochen Sanio
Jochen Sanio, Chef der deutschen Allfinanzaufsicht, hat sich äußerst kritisch über die Arbeit der internationalen Rating-Agenturen geäußert. Er forderte eine europäische Agentur als Alternative und Korrektiv.

Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Jochen Sanio, hat Pläne der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) kritisiert, eine zweite Bonitäts-Einschätzung für die deutschen Landesbanken zu veröffentlichen. Sanio sagte dem «Handelsblatt», es gebe «keine überzeugenden Argumente» für die Pläne der neben Moody's weltweit wichtigsten Agentur, wie die Zeitung am Freitag berichtete. Zudem käme die S&P-Veröffentlichung «zur Unzeit».

S&P hatte diese Woche angekündigt, ein paralleles Rating für die Landesbanken zu veröffentlichen. Darin solle die Bonität der öffentlich-rechtlichen Institute eingeschätzt werden, die sie ohne die bestehenden Staatsgarantien hätten. Diese fallen Mitte 2005 weg. Wegen des Wegfalls staatlicher Garantien dürfte die Bonitätseinschätzung durchweg schlechter ausfallen. Je schlechter des Rating, desto teurer ist es für ein Unternehmen, Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen.

S&P könnte Veröffentlichung verschieben

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Zuvor hatten sich bereits die Landesbanken und die Bundesbank gegen ein zweites Rating durch S&P zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. Dem «Handelsblatt» zufolge hat die «konzertierte Aktion» Spekulationen ausgelöst, denen zufolge S&P die Veröffentlichung der neuen Bonitätsbewertung um ein halbes Jahr verschieben wird. Die Agentur selbst wollte sich dazu nicht äußern. Auch sei eine Pressekonferenz am Montag, auf der die Ratings vorgestellt werden sollten, nicht abgesagt worden, hieß es weiter.

Sanio kritisierte darüber hinaus die Macht der Rating-Agenturen mit ihrem Einfluss auf die weltweiten Kapitalströme scharf. Ein Unternehmen habe keine Möglichkeit, sich gegen negativer Ratings einer Agentur zu wehren oder sich bei einer unabhängigen Instanz zu beschweren, sagte der Bafin-Chef. Eine Herabsetzung des Ratings hatte in diesem jahr mehrere deutsche Unternehmen getroffen, darunter auch ThyssenKrupp . Dabei fiel die Bonitätsbewertung für den Mischkonzern in die so genannte «junk»-Kategorie.

Sanio fordert europäische Agentur mit Aufsicht

Daher sollten sich die europäischen Unternehmen nach Ansicht von Sanio intensiv über die Gründung einer europäischen Rating-Agentur Gedanken machen. Er räumte zwar ein, dass das teuer würde. «Trotzdem sollte man sich die Mühe machen, über den langfristigen nutzen einer solchen Agentur zu diskutieren.» Sollte es zu einer Neugründung komme, würde ihre Glaubwürdigkeit durch die Einrichtung einer Aufsichtsbehörde gestärkt, sagte der Bafin-Chef weiter. (nz)

 
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