Zahl der Sozialhilfeempfänger deutlich gestiegen
18.11.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Die Zahl der Sozialhilfeempfänger in Deutschland hat sich seit der ihrer Einführung verfünffacht. Immer mehr Kinder erhalten Sozialhilfe, während der Anteil der Rentner sank.
Der Anteil der Sozialhilfeempfänger in Deutschland an der Gesamtbevölkerung hat sich in den letzten 40 Jahren verdreifacht. 1963 bezog ein Prozent der Bevölkerung Sozialhilfe, Ende 2002 waren es 3,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Ende 1963 war das Bundessozialhilfegesetz in Kraft getreten. Damals erhielten im früheren Bundesgebiet 0,58 Millionen Menschen Sozialhilfe. 2002 bekamen 2,76 Millionen Menschen Hilfe zum Lebensunterhalt. Dies bedeutet eine Verfünffachung binnen 40 Jahre.
Anteil der Kinder hochZu den 2,76 Millionen Empfängern der klassischen Sozialhilfe müssten zudem 1,56 Millionen Menschen hinzugerechnet werden, die Sozialhilfe aufgrund «besonderer Lebenslagen» erhalten, sagte der Präsident des Bundesamt, Johann Hahlen, in Berlin. Dazu zählen Behinderungen, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit.
Der Anteil der Ausländer an den Sozialhilfeempfängern stieg von drei Prozent 1965 auf 22 Prozent im vergangenen Jahr. Während 2,9 Prozent der Deutschen Sozialhilfe bekämen, seien es 8,4 Prozent der Ausländer, sagte Hahlen. Zugleich werden die Sozialhilfeempfänger immer jünger: Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die Sozialhilfe erhalten, ist demnach deutlich gestiegen. 6,6 Prozent der unter 18-Jährigen bekommen demnach Sozialhilfe ein doppelt so hoher Anteil wie in der Gesamtbevölkerung.
Weniger Rentner bekommen SozialhilfeBei den älteren Menschen über 65 Jahren sei der Sozialhilfe-Anteil dagegen gesunken, sagte Hahlen. 1995 hätten 28 Prozent Sozialhilfe erhalten, 2002 waren es noch sieben Prozent. Der Präsident des Statistischen Bundesamtes führte dies auf eine Steigerung der Renten in der Vergangenheit zurück. Der Anteil der Sozialhilfeausgaben an den Gesamtausgaben der Kommunen stieg seit 1980 von 3,5 auf 6,8 Prozent.
Mehr als die Hälfte der Sozialhilfeempfänger ist im erwerbsfähigen Alter, von ihnen sind 44 Prozent arbeitslos gemeldet. 62 Prozent sind länger als ein Jahr arbeitslos. Derzeit liegt die Reform der Sozialhilfe, die die kommunalen Kassen entlasten soll, im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat. Nach den Vorstellungen der Regierung sollen Menschen, die mehr als drei Stunden am Tag arbeiten können, statt Sozialhilfe das neue Arbeitslosengeld II erhalten, das sich auf der gleichen Höhe wie die Sozialhilfe bewegt. (nz)