12.11.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wegen Wertberichtigungen hat die Commerzbank in den ersten neun Monaten überraschend einen Milliardenverlust ausgewiesen. Um ihr Eigenkapital zu stärken, gab die Bank am Mittwoch für 760 Millionen Euro neue Aktien aus.
Die Commerzbank
hat die Analysten mit einem hohen Verlust für die ersten neun Monate überrascht. Wie das Bankhaus am Mittwoch in Frankfurt mitteilte, wurden im dritten Quartal auf die börsennotierten Beteiligungen rund 2,3 Milliarden Euro abgeschrieben. Deshalb sei für die Zeit von Januar bis September ein Verlust nach Steuern von 2,23 Milliarden Euro verbucht worden, nach einem Minus von 55 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Kapitalerhöhung brachte 760 Millionen EuroAuch für das Gesamtjahr sei ein Verlust in dieser Höhe zu erwarten. Um den Rückgang ihres Eigenkapitals auszugleichen, hat die Bank am Mittwoch eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Damit seien 760 Millionen Euro erlöst worden, teilte das Kreditinstitut am Abend in Frankfurt am Main mit. Die Emission sei mehr als vierfach überzeichnet gewesen. Insgesamt seien im Zuge der Kapitalerhöhung 53,3 Millionen Aktien zum Stückpreis von 14,25 Euro bei institutionellen Anlegern platziert worden. Die Zahl der ausstehenden Aktien steige dadurch auf knapp 598 Millionen, hieß es.
«Bank ist besser geworden» Vorstandschef Klaus-Peter Müller sagte, die Commerzbank habe mit der Neubewertung ihre Handlungsfähigkeit zurückgewonnen und sei in der Lage zu Zukäufen. Allerdings seien keine größeren Übernahmen geplant.
«Vom heutigen Tag an ist die Commerzbank eine neue, eine bessere Bank», sagte Müller und betonte, dass sich das Institut ohne Einflüsse von außen zu der Wertberichtigung entschlossen habe. «Es gab hierfür keinen Druck, nicht von Seiten der Bankenaufsicht, nicht von den Ratingagenturen noch vom Kapitalmarkt.»
Allerdings habe die Commerzbank mit der Neubewertung die erwartete Verschärfung der Regeln zur Rechnungslegung nach dem Internationalen Buchhaltungs-Standard (IAS) vorweggenommen, sagte der Bankchef weiter.
Risikovorsorge rückläufigWegen der Nachsteuer-Verluste können die Aktionäre nicht mit einer Dividende für 2003 rechnen. Für das Gesamtjahr bekräftigte Müller aber die Aussicht auf ein «respektables» operatives Ergebnis. In den ersten neun Monate verbesserte sich das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, das heißt ohne Berücksichtigung der Sondereinflüsse aus der Abschreibung, von 77 Millionen Euro auf 378 Millionen Euro.
Die Risikovorsorge für Kredite sei auf 828 Millionen Euro von knapp einer Milliarde Euro in 2002 und die Verwaltungskosten seien auf knapp 3,4 Milliarden Euro von rund 3,94 Milliarden geschrumpft, hieß es weiter.
Analysten betrachten Zahlen kritischMarktexperten nahmen die Zahlen und die Bekanntgabe der Kapitalerhöhung mit Skepsis auf. Unabhängig von der Neubewertung des Wertpapier- und Beteiligungsvermögens habe die Commerzbank auch operativ «in wichtigen Erlösquellen nicht überzeugen» können, urteilten die Analysten der WGZ-Bank am Mittwoch in einer Kurzstudie.
Zudem verwiesen sie auf bereits im Markt bestehende Übernahmegerüchte und betonten, dass mit der Kapitalerhöhung weiterer Nährstoff für derlei Spekulationen geboten werde. Dem widersprach Commerzbank-Chef Müller: Er sagte, man habe sich zu der Bereinigung entschlossen, unabhängig davon, ob die Bank dadurch attraktiver für Dritte werde. Nun könne sie aber mit möglichen Partner aus einer Position der Stärke verhandeln.
T-Online-Aktien verkauftDie Commerzbank teilte zudem am Mittwoch mit, dass sie eine zweiprozentige Beteiligung am Internet-Dienstleister T-Online
an die Deutsche Telekom
verkauft habe. Wie die Telekom am Mittwoch in Bonn bekannt gab, zahlt der Konzern für die 24,9 Millionen Aktien rund 240 Millionen Euro. Die Bank hatte die Papiere vor drei Jahren gekauft. Die Aktien seien zu einem «Preis unter dem aktuellen Börsenkurs» erworben worden, erläuterte die Telekom. (nz)