28.10.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Europass-Geschäftsführer Peter Newole
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Noch werden alle Berichte, das Verkehrsministerium könnte einen anderen Anbieter mit dem Aufbau eines Mautsystems beauftragen, dementiert. Gleichzeitig betont die Konkurrenz aber die Funktionsfähigkeit ihres Systems.
Das Chaos bei der Einführung der Lkw-Maut treibt seltsame Blüten. Mittlerweile werden Gerüchte dementiert, die offenbar überhaupt nicht existieren. Jüngstes Beispiel: Die Europpass GmbH teilte mit, dass bisher niemand an das Unternehmen herangetreten sei, in Deutschland ein Maut-System aufzubauen. Der Geschäftsführer des Unternehmens, Peter Newole, weise Gerüchte über einen Einstieg in den deutschen Markt zurück, lässt der Mautbetreiber in Österreich am Dienstag verlauten. Europpass ist eine Tochter der italienischen Autostrade, die das Mautsystem in Österreich aufbaut.
Lukratives Angebot möglichAber hat es die so vehement dementierten Gerüchte überhaupt gegeben? Das Verkehrsministerium hält offiziell an dem Betreiberkonsortium Toll Collect fest: «Wir reden nicht über Scheidung, sondern über den Vollzug der Ehe», lautet der derzeitige Standardkommentar des Ministeriums.
Das Dementi eines nicht wirklich existierenden Gerüchts wird von Europpass aber geschickt eingesetzt, um das eigene Mautsystem noch mal in Stellung zu bringen: «Wir würden uns sicher nicht verweigern - vielmehr wäre es sehr reizvoll, die jahrzehntelange Erfahrung des Autostrade-Konzerns im Mautgeschäft auch in Deutschland einzubringen», fügt der Geschäftsführer gleich nach dem Dementi an.
Österreichisches System ist «kosteneffizient»Was nach Meinung von Autostrade für das österreichische System spricht Kosteneffizienz, Realisierungszeit, Erfassungsgenauigkeit und Nutzerfreundlichkeit spricht gleichzeitig gegen das System von Toll Collect. «In allen vier Kriterien ist das österreichische Mautsystem bei weitem vorteilhafter als das derzeit in Deutschland angepeilte System und könnte dem Staat erhebliche Mehreinnahmen sichern», behauptet dementsprechend Newole. Noch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil hebt Europpass hervor: «Wir werden pünktlich mit dem 1. Januar 2004 (in Österreich) in Betrieb gehen.»
Geschäftsführer Newole ist sich sicher, dass «wir der deutschen Regierung ein äußerst interessantes Angebot für eine sehr gute Lösung der dramatischen Probleme machen könnten». Aber das Angebot werde aber «korrekterweise» nicht über die Medien mitgeteilt. Aber zumindest kann so darauf aufmerksam gemacht werden.
Autostrade ist nicht der einzige Fall - der zweite Kandidat kommt aus der Schweiz und heißt Fela. Das Unternehmen hatte sich 2001 an der Ausschreibung für den Aufbau eines Mautsystems in Deutschland beteiligt, aber angeblich aufgrund ungenügender Gewährleistungs-Erklärungen vom Verkehrsministerium eine Absage erhalten.
Gerichtsverfahren nicht ausgeschlossenJetzt häufen sich die Pressestatements des Unternehmens, in denen die Vorzüge des eigenen Systems hervorgehoben werden. Die Erfassung durch Toll Collect wird dagegen nach Meinung von Fela nie einwandfrei funktionieren. Die Alternative von Fela dagegen läuft in der Schweiz nach Unternehmensangaben seit Anfang 2001 ohne Probleme. In zwölf Monaten könnte dieses System auch in Deutschland laufen, versprechen die Schweizer.
Die Hoffnung, ein neuer Anbieter könnte doch noch zum Zug kommen - und damit das Maut-Debakel komplett machen -, sind zwar gering, aber nicht von der Hand zu weisen: Das Verkehrsministerium hat bereits eine Anwaltskanzlei beauftragt, die Möglichkeit für Schadensersatzansprüche gegenüber Toll Collect auszuloten.
Käme es zu einem Gerichtsverfahren, ist an eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Ministerium und Betreiber wohl kaum noch zu denken. Aber zumindest können sich die Anwälte der beiden Parteien über hohe Honorare freuen - denn Experten rechnen in einem solchen Fall mit einem langem Prozess.