26.10.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Gerd Gebhardt, Vorsitzender des Phonoverbands
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit dem Start der kostenpflichtigen Internet-Musikbörse Phonoline in diesem Jahr wird es nichts mehr. Streit mit der Verwertungs-Gesellschaft Gema blockiert einem Bericht zufolge den Aufbau.
Die Verwertungsgesellschaft Gema macht offenbar beim Start der deutschen Internet-Musikplattform Schwierigkeiten. Einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Focus» zufolge verlangt die Gema für die Komponisten und Texter zwölf Prozent des Endkundenpreises von jedem verkaufen Lied. Der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft wolle aber nicht mehr als vier bis sechs Prozent zahlen.
Schiedsstelle muss Disput klärenJetzt landet der Streit vor der Schiedsstelle des Bundespatentamtes, wie der stellvertretende Gema-Chef Jürgen Becker dem Magazin sagte. Nach Einschätzung des Vorsitzenden des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, Gerd Gebhardt, wird das Portal nun erst ab Januar 2004 Lieder in Online-Shops anbieten. Ursprünglich sollte die Plattform zum kostenpflichtigen Musik-Download unter dem Namen «Phonoline» im Herbst dieses Jahres starten.
Doch das Angebot kam wegen ungeklärter Punkte zwischen den beteiligten Unternehmen nur langsam in Gang. In der vergangenen Woche berichtete die «Financial Times Deutschland», dass technische Schwierigkeiten das Projekt verzögerten. In Phonoline sollte das Gesamtrepertoire aller deutschen Plattenfirmen auch kleiner unabhängiger Label zum legalen Herunterladen angeboten werden.
T-Online war schnellerMittlerweile ist T-Online dem Vorhaben aber zuvor gekommen: Ende August startete der Internet-Dienstleister mit einer eigenen legalen Musikbörse namens «Musicload». Damals sagte T-Online-Marketingchef Burkhard Graßmann dem «Handelsblatt», dass T-Online generell auch für eine Zusammenarbeit mit Phonoline offen sei, wenn die Plattform stehe.
Um einiges weiter sind die Amerikaner: Bereits im Frühjahr startete das Computerunternehmen Apple sein Angebot Itunes, das sich zu einem Verkaufsknüller entwickelt hat: In nur vier Monaten setzte Apple zehn Millionen Titel ab. Dieser Dienst ist aber nur für Nutzer in Nordamerika zugänglich. Auch der Klassiker der illegalen Tauschbörsen, Napster, steht mit einer runderneuerten und jetzt legalen Version 2.0 in den Startlöchern. Selbst MTV hat mittlerweile Interesse am Online-Verkauf von Musiktiteln bekundet. (nz)