Verband: Die Situation auf dem ostdeutschen Immobilienmarkt ist «sehr ernst»
20. Okt 2003 16:26
 | Jost Riecke, Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt | Foto: ddp |
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Die Immobilienbranche in Ostdeutschland steckt seit Jahren in der Krise. Allein in Sachsen-Anhalt sind mehr als ein Viertel aller Unternehmen in ihrer Existenz bedroht. Mögliche Pleiten werden auch die Kredit gebenden Banken treffen.
Die Immobilienwirtschaft in Ostdeutschland ist 13 Jahre nach der Wiedervereinigung tief in der Krise. «Die Lage ist nicht nur ernst, sie ist sehr ernst», sagte Helga Bender, Bereichsleiterin Kommunikation beim Verband deutscher Hypothekenbanken (VDH), am Montag der Netzeitung.Der zunehmende Wegzug sorgt für wachsende Überkapazitäten, und die damit verbundenen hohen Leerstände belasten die Unternehmen - mit möglichen schwerwiegenden Folgewirkungen für die Kredit gebenden Banken. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Arnold Vaatz (CDU), warnte am Montag, dass rund 450 oder rund ein Drittel aller Wohnungsunternehmen im Osten akut insolvenzgefährdet sind. Die Lage der Unternehmen könnte zu einer «veritablen Bankenkrise» im Osten führen, sagte er in Berlin.
Der Verband selber sieht die Risiken nicht in erster Linie bei den Kreditinstituten, sondern vielmehr bei den Wohnungsgesellschaften selber. «Die Banken haben längst Wertberichtigungen in Milliardenhöhe vorgenommen», sagte Bender. Die Risiken innerhalb der ostdeutschen Immobilienwirtschaft seien in den Bilanzen zum größten Teil eingerechnet. «Aber natürlich würden auch uns weitere Pleiten weh tun», sagte die Sprecherin weiter.
Förderung nach Gießkannenprinzip
In der Branche selber werde «der eine oder andere vom Markt verschwinden». Als Hauptgrund für die Krise nennt Bender die staatliche Förderung, die auch nach dem «Gießkannenprinzip» durchführt worden sei. «Die hohe Förderung hat viele dazu veranlasst, auch unrentable Projekte zu realisieren», sagte sie. Auf Förderung könne zwar auch in Zukunft nicht verzichtet werden, es müsse aber «ein ganzheitliches Konzept» geben und die Unternehmen müssten «professioneller» werden. Zudem sollte bei Zusammenschlüssen von einzelnen Gesellschaften die Grunderwerbssteuer entfallen. «Diese Steuer macht Fusionen oft einfach zu teuer», sagte sie.
Beispiel Sachsen-Anhalt
Auch in Sachsen-Anhalt ist die Situation – wie in allen neuen Bundesländern – derzeit sehr schwierig: «Es sieht nicht gut aus», sagt Jost Riecke, Verbandsdirektor beim Verband der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt. Von rund 250 Mitgliedsunternehmen hätten 70 einen Leerstand von über 15 Prozent und seien akut existenzgefährdet. Insgesamt stehen in Ostdeutschland früheren Angaben des Bundesverbands deutscher Wohnungsunternehmen zufolge 1,3 Millionen Wohnungen leer.Nach Meinung von Riecke müssen 10 bis 25 Prozent des Wohnungsbestands in Ostdeutschland abgebaut werden, um die Marktsituation ausreichend zu bereinigen. Im Klartext: Der Überschuss an Mietshäusern und -wohnungen muss zum großen Teil abgerissen werden.
Aber auch die Regierung sieht Riecke in der Pflicht. Planungssicherheit und Entbürokratisierung fordert der Verbandsdirektor – und natürlich auch mehr Geld aus Berlin und Madgeburg. «Die betroffenen Unternehmen müssen sicher planen können, welche Hilfen sie vom Bund zu erwarten haben», sagte Riecke. Es dauere viel zu lange, bis die bereitgestellten Hilfen an die betroffenen Unternehmens ausgezahlt werden.
Fusionen helfen nicht
Zudem müsse die Altschuldenfrage gelöst werden. Alle Unternehmen müssten bei Abriss von Wohnungsbestand ihre Altschulden erlassen bekommen: «Die Unternehmen müssen gleichgestellt werden», meinte Riecke. Bisher kommen nur Gesellschaften die Altschulden bei Abriss erlassen, die akut existenzbedroht sind. Die 2,5 Milliarden Euro, die für die so genannten Altschulden zur Verfügung stehen, reichten zudem nicht: «Wir brauchen mindestens 375 Millionen Euro mehr, um die Probleme zu lösen», sagte Riecke.Von Fusion und der Befreiung von der Grunderwerbssteuer hält Riecke dagegen nichts: «Wenn zwei Lahme sich zusammentun, hilft das beiden wenig.»
Für das Web ediert von Marcus Gatzke