EZB lässt Leitzinsen unverändert
02. Okt 2003 13:48, ergänzt 16:22
Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen am Donnerstag wie erwartet beibehalten. Die deutliche Aufwertung des Euro könnte die Zentralbank aber zu einem weiteren Zinsschritt zwingen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen - wie von der Mehrheit der Experten erwartet - am Donnerstag nicht gesenkt. Wie die Zentralbank am Donnerstag in Lissabon mitteilte, bleibt der wichtigste Zinssatz in der Eurozone damit bei zwei Prozent. Die letzte Sitzung des EZB-Rats unter Führung des scheidenden Notenbankchefs Wim Duisenberg hatte in der portugisischen Hauptstadt stattgefunden.Zuletzt hatte die EZB ihr Zinsniveau Anfang Juni verändert und eine Senkung um 0,5 Prozentpunkte vorgenommen. Seit Dezember vergangenen Jahres hat die Zentralbank die Leitzinsen um insgesamt 1,25 Prozentpunkte gesenkt.
Eurokurs könnte zum Handeln zwingen
Als problematisch für eine Erholung der Wirtschaft in der Eurozone erweist sich derzeit der hohe Eurokurs: Die europäische Gemeinschaftswährung ist in den vergangenen Wochen gegenüber dem Dollar wieder deutlich gestiegen und ein Ende der Aufwertung ist nicht in Sicht. Am Donnerstag erreichte der Euro mit 1,1730 fast wieder ein neues Drei-Monats-Hoch. Diese Entwicklung könnte die EZB zu einem weiteren Zinsschritt zwingen.Die fundamentalen Daten und damit die Gründe für die Stärke des Euro haben sich in den vergangenen Wochen nicht geändert – nur Abwertungsdruck auf den Dollar wird zunehmend allein auf den Euro abgewälzt.
Die hohen Defizite der USA sowohl in der Leistungsbilanz als auch im Haushalt tragen erheblich dazu bei. «Zudem ist die Hoffnung auf eine sehr deutliche und nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft in den vergangenen Wochen etwas getrübt worden», sagte Rainer Sartoris, Devisen-Experte beim Bankhaus Trinkaus & Burkhardt, der Netzeitung. Die immer noch schwache Entwicklung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt ist dabei eines der größten Hindernisse für einen Aufschwung.
Japan verhindert Yen-Aufwertung
Der Dollar kann aber derzeit nur gegen den Euro abwerten. Zwei der drei wichtigsten Handelspartner der USA verhindern eine Anpassung des Wechselkurses: Die japanische Notenbank versucht seit Monaten, den Yen-Kurs über Interventionen am Devisenmarkt zu stabilisieren und damit die negativen Auswirkungen eines weiter steigenden Yen-Kurses auf die Exportwirtschaft des Landes zu verringern. Allein im September intervenierte die Bank of Japan in einem Gesamtvolumen von 4,5 Billionen Yen (rund 30 Milliarden Euro).Der chinesische Yuan ist demgegenüber direkt an den Dollar gekoppelt - eine Aufwertung des Yuan kann also nicht stattfinden. «Der Druck auf den Euro ist dadurch deutlich höher», sagte Devisen-Experte Sartoris. Er rechnet mit einem Eurokurs von 1,30 im kommenden Jahr.
Sollte der Wechselkurs kurzfristig auf ein solches Niveau steigen, könnte die EZB gezwungen sein zu handeln. Schon bei einem Kurs von 1,20 Dollar im kommenden Frühjahr sei eine weitere Zinssenkung wahrscheinlich, schreiben die Experten der Investmentbank JP Morgan in einer kürzlich erschienen Studie. Derzeit sei das Kursniveau aus Sicht der EZB aber offenbar noch nicht hoch genug, um eine Zinssenkung zu rechtfertigen.
Druck auf Duisenberg erhöht
Mehrere Experten haben klare Worte von EZB-Chef Duisenberg gefordert: «Duisenberg sollte klarstellen, dass die EZB ein Interesse an stabilen Wechselkursen hat», sagte der Europa-Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding, laut einem Artikel der «Financial Times Deutschland» (FTD). Auch der Chefvolkswirt der Hypovereinsbank forderte ein Signal von Duisenberg.Devisenmarktinterventionen werden dagegen von der Mehrzahl der Experten abgelehnt: «Interventionen sind nicht der richtige Weg», sagte Experte Sartoris. Auch die Volkswirte der Commerzbank halten Stützungskäufe für den Dollar nur bei «exorbitanten Übertreibungen» für wahrscheinlich. (nz)