Wirtschafts-Nobelpreisträger Modigliani tot
Gemeinsam mit seinem Kollegen Merton Miller hatte Modigliani eine ganz neue Theorie darüber entwickelt, wie die Bewertung von Unternehmen an der Börse stattfindet. Demnach hängt der Aktienkurs – und damit der Gesamtwert einer Firma – weniger mit der Höhe und Struktur der Schulden zusammen. Die Kurse würden vielmehr davon bestimmt, auf welche Höhe die Anleger die zukünftigen Gewinne der Unternehmen schätzten.
Paul Samuelson, ebenfalls Wirtschafts-Nobelpreisträger vom MIT und damit ein Kollege Modiglianis, sah es als Glückfall für das Institut, dass er dort für 40 Jahre wirkte. Modigliani habe mit seiner Forschung die «General Theory» aus der Ära von «Model-T, Neandertaler und Weltwirtschaftskrise» in eine zeitgemäße Form geführt, sagte Samuelson. «Er war unser Kronjuwel und aktiv bis zum Schluss.» Der Wissenschaftler fungierte zwischenzeitlich als Berater für eine Reihe europäischer Banken, für das US-Finanzministerium sowie die US-Notenbank Fed.
Seine Vergangenheit beschäftigte Modigliani bis zuletzt: Auf die Aussagen von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, «Mussolini hat niemanden ermordet», reagierte er mit einem empörten Brief an die «New York Times». Der Diktator sei nicht nur «für den Tod vieler politischer Gegner, Partisanen und Juden» verantwortlich gewesen, sondern auch für die «Deportation von fast 7000 Juden, die in Konzentrationslagern ermordet wurden», hieß es darin. Berlusconi müsse sich daher bei den italienischen Juden entschuldigen, forderte Modigliani. «Doch das ist nicht genug; er muss sich allen Italienern gegenüber entschuldigen.» (nz)
