netzeitung.deWirtschafts-Nobelpreisträger Modigliani tot

 Herausgeber: netzeitung.de

Lupe Wirtschafts-Nobelpreisträger Modigliani tot

Der MIT-Professor und Nobelpreisträger von 1985, Franco Modigliani, ist verstorben. Geehrt wurde er unter anderem für seine Theorie zur Börsen-Bewertung von Unternehmen.

Franco Modigliano ist tot: Der Professor am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Träger des Wirtschafts-Nobelpreises von 1985 verstarb nach Angaben des MIT am Donnerstag (Ortszeit) in seinem Haus in Cambridge. Modigliani wurde 85 Jahre alt.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Merton Miller hatte Modigliani eine ganz neue Theorie darüber entwickelt, wie die Bewertung von Unternehmen an der Börse stattfindet. Demnach hängt der Aktienkurs – und damit der Gesamtwert einer Firma – weniger mit der Höhe und Struktur der Schulden zusammen. Die Kurse würden vielmehr davon bestimmt, auf welche Höhe die Anleger die zukünftigen Gewinne der Unternehmen schätzten.

Weiterentwicklung von Keynes
Den Nobelpreis erhielt Modigliani auch für seine Weiterentwicklung der «General Theory» von John Maynard Keynes. Wie auch Milton Friedman zerlegte er im Gegensatz zu Keynes die Sparneigung in zwei Aspekte – eine konstante und eine variable Komponente. Im Gegensatz zu Friedman hielt er aber die die Sparneigung bestimmende Zeitkomponente für begrenzt: Die Menschen sparen nur für sich selbst, so das Credo.

Paul Samuelson, ebenfalls Wirtschafts-Nobelpreisträger vom MIT und damit ein Kollege Modiglianis, sah es als Glückfall für das Institut, dass er dort für 40 Jahre wirkte. Modigliani habe mit seiner Forschung die «General Theory» aus der Ära von «Model-T, Neandertaler und Weltwirtschaftskrise» in eine zeitgemäße Form geführt, sagte Samuelson. «Er war unser Kronjuwel und aktiv bis zum Schluss.» Der Wissenschaftler fungierte zwischenzeitlich als Berater für eine Reihe europäischer Banken, für das US-Finanzministerium sowie die US-Notenbank Fed.

Flucht vor Mussolini in die USA
Der aus Italien stammende Modigliani verließ sein Heimatland 1938, als die faschistische Regierung Benito Mussolinis Juden wie ihn diskriminierte. Bereits seit den frühen 30er Jahren hatte er sich als Student im antifaschistischen Widerstand engagiert. Über Paris gelangte er 1939 in die USA und trat nach weiteren Studien 1962 in das MIT ein.

Seine Vergangenheit beschäftigte Modigliani bis zuletzt: Auf die Aussagen von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, «Mussolini hat niemanden ermordet», reagierte er mit einem empörten Brief an die «New York Times». Der Diktator sei nicht nur «für den Tod vieler politischer Gegner, Partisanen und Juden» verantwortlich gewesen, sondern auch für die «Deportation von fast 7000 Juden, die in Konzentrationslagern ermordet wurden», hieß es darin. Berlusconi müsse sich daher bei den italienischen Juden entschuldigen, forderte Modigliani. «Doch das ist nicht genug; er muss sich allen Italienern gegenüber entschuldigen.» (nz)