Hintergrund: Der «dreifache Hexensabbat»
19. Sep 2003 11:54
Viermal im Jahr treffen an der Terminbörse Eurex Futures und Optionen auf den Dax sowie Optionen auf Einzelwerte zusammen. Börsianer sprechen vom «dreifachen Hexensabbat», einem Tag mit oft kräftigen Kursschwankungen.
Wenn Kurse auch ohne Unternehmensmeldungen stark schwanken und auffällig große Volumina an Aktien den Besitzer wechseln, könnte am Aktienmarkt der «Dreifache Hexensabbat» dahinter stecken. So bezeichnen Börsianer den großen Verfallstag an den Terminbörsen, hier zu Lande der Eurex.Viermal im Jahr, jeweils am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember ist ein solcher Verfallstermin am deutschen Aktienmarkt. Dann laufen die Futures und Optionen auf den Dax und zugleich die Optionen auf Einzelwerte aus.
Spiel mit zukünftigen Preisen
Wer einen Future auf Aktien oder Indizes kauft, verpflichtet sich, zu einem bestimmten Zeitpunkt dieses Finanzprodukt zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Käufer einer Option haben das Recht, eine Ware zu einem bestimmten Preis zu verkaufen oder zu kaufen. Übt er zum bestimmten Termin die Option nicht aus, verfällt sie. Nun versuchen Käufer von Futures oder Optionen vor dem Verfallstermin, die aktuellen Kurse auf ein Niveau zu treiben, das ihrem Engagement an der Terminbörse entspricht. Wer etwa eine Option auf den Dax mit einem Dax-Stand von 3600 Punkten erworben hat, ist daran interessiert, dass der Dax zum Verfalls-Zeitpunkt über dieser Marke steht. Dasselbe gilt für Futures und Optionen auf Einzeltitel.
DAI: «Privatanleger, Finger weg!»
Also wird über Käufe beziehungsweise Verkäufe des Basiswerts versucht, den Kurs zu manipulieren. Der Dax-Verlauf selbst kann natürlich auch über Käufe und Verkäufe von einzelnen Dax-Titeln – vor allem Schwergewichten wie die Deutsche Telekom – beeinflusst werden. Dies führt zu den oft kräftigen Kursausschlägen, die vor dem Verfalltermin zu beobachten sind.Hinter dem Treiben stecken in der Regel größere Investoren, etwa Investmentfonds oder Vermögensverwalter. Privatanleger sollten dagegen besser ihre Finger von solchen «Tagesspielereien» lassen, rät das Deutsche Aktieninstitut. Der Handelsverlauf sei an Hexensabbat-Tagen unübersichtlich und nur schwer einzuschätzen. «Denn an diesen Hexentagen – und manchmal schon an den Tagen davor – ändert sich das Kursbild bei einzelnen Aktien oft in Sekundenschnelle.»
Für das Web ediert von Matthias Breitinger