Arbeitslosenzahl sinkt stärker als erwartet
04. Sep 2003 09:59, ergänzt 14:30
Die Zahl der Arbeitslosen ist im August deutlicher als erwartet zurückgegangen, liegt aber weiter klar über Vorjahresniveau. Experten erwarten auch im kommenden Jahr keine wirkliche Entspannung.
Die Zahl der Arbeitslosen ist im August gesunken. Die Bundesanstalt für Arbeit (BA) warnt aber vor zu viel Optimismus. Die Zahl der Arbeitslosen sei im vergangenen Monat um rund 37.800 auf 4,314 Millionen zurückgegangen, teilte die Bundesanstalt für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mit. Die von Saisoneinflüssen bereinigte Arbeitslosenzahl blieb den Angaben zufolge unverändert. Im Vergleich zum August vorigen Jahres waren aber rund 300.000 mehr Menschen ohne Arbeit. Die bundesweite Arbeitslosenquote lag im August bei 10,4 Prozent.Damit ist der Rückgang der Arbeitslosenzahlen zwar stärker ausgefallen als erwartet. Arbeitsmarkt-Experten hatten nur mit einem Rückgang um rund 20.000 gerechnet. Dennoch dämpft die BA die Hoffnung auf eine entscheidende Verbesserung der Arbeitsmarktlage: An der «stagnativen Grundtendenz» habe sich nichts geändert, hieß es. Dass die Arbeitslosigkeit saisonbereinigt nicht gestiegen sei, beruhe vor allem auf Maßnahmen zur Aktivierung von Arbeitslosen.
Lehrstellenmarkt angespannt
Die Lage am Lehrstellenmarkt ist weiter schwierig: Ende August waren den Angaben zufolge rund 170.000 Bewerber auf Lehrstellensuche. Das sind 22 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die Differenz zwischen Lehrstellensuchenden und offenen Stellen hat um mehr als 30 Prozent auf rund 113.000 zugenommen.
Beschäftigung weiter rückläufig
Die Zahl der Beschäftigten ist im Juni um 16.000 gesunken, hieß es unter Berufung auf vorläufige Berechnungen des Statistischen Bundesamtes. Damit habe sich der Rückgang der Beschäftigung zwar abgeschwächt. Dies sei aber in erster Linie auf die massive staatliche Förderung der Selbständigkeit im Rahmen der Ich-AG zurückzuführen. Die Reform der geringfügigen Beschäftigung, der so genannten Mini-Jobs, habe hingegen keine erkennbaren Auswirkungen gehabt.
Hoffnung auf Konjunktur
Dass die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit immerhin stagniert, sei ein gutes Zeichen, sagte Arbeitsmarkt-Experte Holger Schäfer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln der Netzeitung. «Es gibt aber keine Anzeichen einer bevorstehenden Entspannung am Arbeitsmarkt.»Zwar gebe es Signale für eine konjunkturelle Erholung. Aber das Wirtschaftswachstum werde aller Voraussicht nach nicht stark genug ausfallen, um dem Arbeitsmarkt Impulse zu geben. «Unter vier Millionen wird die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr unter keinen Umständen sinken.»
Hartz-Gesetze haben versagt
Von den Hartz-Reformen gingen zudem gar keine Signale für den Arbeitsmarkt aus. «Die Ich-AG ist nicht das Schlechteste - verglichen mit den PSA. Aber insgesamt reicht das einfach nicht», sagte der IW-Experte weiter. Das Job-Aqtiv-Gesetz sei da eine sinnvollere Maßnahme: «Die Arbeitsämter haben damit ein Instrument an die Hand bekommen, mit dem sie Scheinarbeitslose, die dem Arbeitsmarkt gar nicht zur Verfügung stehen, aussieben können.» Diese zögen ihre Meldung beim Arbeitsamt nun zurück, sagte Schäfer weiter. «Die Statistik nähert sich damit der wahren Zahl an Arbeitslosen.» (nz)