netzeitung.deMusikindustrie rechnet mit weiteren Verlusten

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Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die deutschen Plattenfirmen kommen nicht aus der Krise. Eine Besserung werde es erst in ein bis zwei Jahren geben, erwartet der Branchenverband.

Nach den herben Verlusten der vergangenen Jahre sieht die deutsche Musikindustrie auch für in der nahen Zukunft keine Erholung. Sollte sich die jüngste Entwicklung fortsetzen, so werde man am Ende dieses Jahres den niedrigsten Umsatz seit Beginn der Neunziger Jahre verbuchen, sagte der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhardt, am Freitag auf der weltgrößten Musikmesse Popkomm in Köln.

Bereits für das erste Halbjahr hatte die Musikwirtschaft beim Verkauf von Tonträgern einen Rückgang von 16,3 Prozent gemeldet. Mit einer Erholung sei erst in etwa ein bis zwei Jahren zu rechnen, sagte Gebhardt.

Ein Viertel der Musikkäufe künftig im Netz
Hoffnung mache ihm vor allem das Wachstum bei den DVDs, der vom Gesetzgeber auf den Weg gebrachte bessere Schutz der Urheberrechte und die Fortschritte bei der Vermarktung von Musik über das Internet, so Gebhart. Er gehe davon aus, dass im Jahr 2010 etwa ein Viertel der Musik über das Internet vermarktet werde. Gebhart hofft, dass dann die Kopierexzesse von heute der Vergangenheit angehören. «Kaufen muss man die Musik auch in Zukunft», sagte der Verbandschef.
«Langwieriger digitaler Kampf»
Der Medienökonom Robin Meyer-Lucht von der Universität St. Gallen fordert dafür einen tief greifenden Bewusstseinswandel. Unter den derzeitigen Bedingungen sei Musik im Internet ein öffentliches Gut und deswegen ganz und gar unverkäuflich, sagte Meyer-Lucht auf der Popkomm in Köln. Es stehe noch ein langwieriger digitaler Kampf bevor, in dem zum einen der Zugang zu kostenlosen und illegalen Tauschbörsen erschwert werden müsse, die Musikindustrie den Kunden aber auch mehr bieten müsse als nur eine legale Alternative.

Dabei sollten die Verantwortlichen auch überlegen, wie sie den Preisvorteil über das Internet an den Endverbraucher weitergeben könnten, um so einen tatsächlichen Mehrwert zu schaffen.

Die deutsche Musikindustrie will mit einem eigenen Internetangebot das illegale Kopieren von Musiktiteln eindämmen: Ab Herbst wollen alle großen deutschen Plattenlabel und viele Independent Musikfirmen mit einer Download-Plattform auf den Markt kommen. (nz)