netzeitung.deAOL Time Warner künftig ohne «AOL»

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Steve Case, ehemaliger AOL-Chef und großer Befürworter der Fusion (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Steve Case, ehemaliger AOL-Chef und großer Befürworter der Fusion
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Medienkonzern AOL Time Warner will seinen Namen ändern. Die mögliche symbolträchtige Streichung des «AOL» im Firmennamen ist das öffentliche Eingeständnis, dass die Fusion ein Fehlschlag war.

Mehr als zwei Jahre nach der Mega-Fusion zwischen Time Warner und AOL erwägt der Konzern jetzt offenbar die Streichung des «AOL» aus dem Firmennamen. Im kommenden Monat soll der Vorschlag verschiedener Top-Manager im Vorstand diskutiert werden, berichtete die «Financial Times» am Dienstag.

AOL-Time-Warner-Chef Dick Parsons hat den möglichen Schritt dem Bericht zufolge schon am Montag mit dem AOL-Chef Jonathan Miller besprochen. Miller soll sich dabei für die Streichung ausgesprochen haben. Er wolle «seinen Markennamen wiederhaben», um Verwechslungen des Internetanbieters mit dem Medienkonzern zu vermeiden, so die Zeitung.

Geständnis: Fusion war falsch
Im Januar 2001 hatte der weltgrößte Internetanbieter America Online mit einer spektakulären Fusion die Kontrolle über den Medienriesen Time Warner übernommen. Mit dem Einbruch der Internetbranche verlor AOL jedoch deutlich an Wert und Einfluss im neuen Konzern.

Mit der Streichung würde damit zudem erstmals öffentlich eingestanden, was innerhalb des Konzerns schon lange diskutiert wird: Die Fusion mit einem Wert von mehr als 160 Milliarden Dollar war ein großer Fehlschlag. Drei von vier Top-Managern, die federführend an der Fusion mitgewirkt haben sind mittlerweile zurückgetreten: Steve Case, Gerald Levin und Robert Pittman. Innerhalb der Führung des Konzerns findet sich kein früherer AOL-Manager mehr. Die erwarteten Synergieeffekte konnten nicht realisiert werden.

Werbeumsatz bei AOL weggebrochen
Die Marktkapitalisierung des fusionierten Konzerns liegt derzeit bei knapp über 66 Milliarden Dollar und beträgt damit nur noch die Hälfte des Wertes von Time Warner vor der Fusion. Kritiker hatten moniert, dass der Name das schlechte Abschneiden der Online-Sparte AOL überzeichne und die positive Entwicklung andere Bereiche - wie zum Beispiel Warner Brothers - dagegen in den Hintergrund gedrängt würde.

Der gesamte Konzern hat im zweiten Quartal seinen Gewinn nahezu verdoppelt. Belastet wurde die Bilanz jedoch durch ein schwaches Abschneiden von AOL. Bei America Online gingen die Werbeumsätze um 45 Prozent zurück. Das operative Ergebnis brach um 23 Prozent ein. Seit Ende 2002 soll die Sparte mehr als eine Millionen Kunden verloren haben. (nz)