30.07.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Bertelsmann hat seinen Anteil am Internet-Buchhändler bn.com an den Partner Barnes & Noble verkauft. Damit steigt die Direct-Group-Tochter des Medienkonzerns auch aus dem Internetgeschäft in den USA aus.
Die Bertelsmann-Buchclubtochter Direct Group hat ihren gesamten Anteil am US-Internet-Buchhändler Barnes & Noble.com (bn.com) an den Kooperationspartner Barnes & Noble Inc. veräußert. Wie die Unternehmen in der Nacht zum Mittwoch in New York mitteilten, erhält die Bertelsmann-Tochter dafür 164 Millionen Dollar in bar, die in zwei Raten gezahlt werden.
Damit würden die Aktien des Internet-Buchhändlers, die auch an der Computerbörse Nasdaq gelistet sind, mit 2,80 Dollar bewertet, hieß es weiter. An der Nasdaq kosteten die Papiere zum Handelsschluss am Dienstag 2,04 Dollar. Sowohl die Kartellbehörden als auch die Aufsichtsgremien der Unternehmen müssen dem Geschäft noch zustimmen.
Anteil im Oktober noch aufgestocktZuletzt hielt die Direct Group 36,9 Prozent an bn.com, wie ein Direct-Group-Sprecher der Netzeitung sagte. Zuletzt hatte das Unternehmen seinen Anteil an bn.com im Oktober vergangenen Jahres noch um gut ein Prozent aufgestockt. Das sei geschehen, weil der Partner Barnes & Noble seinen Anteil wegen des niedrigen Kursniveaus habe aufstocken wollen, sagte der Sprecher weiter. Es habe keine Änderungen in der Direct-Group-Strategie gegeben, sich vom reinen Verkaufsgeschäft über das Internet zu trennen, betonte er.
Auch Ewald Walgenbach, der im Bertelsmann-Vorstand für die Direct Group verantwortlich zeichnete, nannte den Schritt eine «konsequente Umsetzung der im September 2002 verkündeten» Strategie, sich «aus dem reinen E-Commerce mit Medienprodukten» zurückzuziehen und sich auf die «internationalen Buch- und Musikclubgeschäfte» zu konzentrieren.
Rückzug aus E-Commerce geht weiterNachdem Bertelsmann sich Ende vergangenen Jahres vom Verlust bringenden Internet-Geschäft der Tochter BOL getrennt hatte, bedeutet der Verkauf der bn.com-Anteile nun auch das Ende des direkten Internet-Verkaufs in den USA. Dort ist der Konzern allerdings mit CDNow im Internet-Musikgeschäft weiter aktiv. Dabei kooperiert das Unternehmen allerdings mit dem Internet-Buchhändler Amazon.com. Auch in China geht das Internetgeschäft von BOL weiter.
«Das Internet bleibt für uns ein wichtiger Vertriebsweg», sagte der Direct-Group-Sprecher weiter, «allerdings nur für unser Buch- und Musikclubgeschäft». In diesem Bereich erwirtschafte das Unternehmen inzwischen rund ein zehntel der Umsätze online. (nz)