28. Mai 2003 17:38, ergänzt 17:52
Selbst der persönliche Einsatz von Microsoft-Chef Ballmer hat nichts genützt. Die Stadt München wechselt bei Tausenden Computern auf das Betriebssystem Linux.
Die Stadt München hat am Mittwoch entschieden, ihre 14.000 Computer vom Microsoft-Betriebssystem Windows auf das kostenlose Konkurrenzprodukt Linux umzurüsten. Eine schwere Niederlage für den Konzern, dessen Chef Steve Ballmer sich persönlich bei der Stadt dafür eingesetzt hatte, dass Microsoft das Geschäft über 30 Millionen Dollar macht. Dabei hatte das US-Unternehmen der Stadt auch Rabatte und Unterstützung für Schulen angeboten. Der Verlust des Auftrags bedeutet weniger einen wirtschaftlichen Schaden, sondern stellt vielmehr einen Imageverlust dar. Entsprechend hämisch lauteten die Kommentare der Konkurrenz. «Durch diesen Entschluss setzt München ein Zeichen für alle Kommunen sowie den Mittelstand, sich aus der Umklammerung eines Monopols zu befreien», sagte der Marketing-Direktor von Sun Microsystems, Martin Häring. Der Vorstandschef der SuSE Linux AG, Richard Seibt, verglich das Votum des Münchner Stadtrates gar mit dem Fall der Berliner Mauer, zumindest, was dessen Auswirkung auf die Branche betreffe.
Pikant an dem Fall ist außerdem, dass die deutsche Microsoft-Zentrale ihren Sitz ausgerechnet in München hat. Das Unternehmen will jedoch weiter mit der Stadt zusammenarbeiten. Schlimmer für Microsoft könnte jedoch die Symbolwirkung sein, die von der Entscheidung ausgeht. Andere Städte und Regionen könnten dem Beispiel Münchens folgen. Microsoft-Sprecher Hans-Jürgen Croissant glaubt allerdings nicht daran. Sein Unternehmen gehe davon aus, dass «unser Angebot das wirtschaftlichste war». Dies könnte bei anderen Entscheidungen den Ausschlag geben. (nz)