AOL verliert 100 Milliarden und Ted Turner
30.01.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Denn AOL büßte im vierten Quartal erstmals in der Unternehmensgeschichte Kunden ein: Die Zahl der AOL-Nutzer sank den Angaben zufolge zwischen von September bis Dezember um 100.000 auf 35,2 Millionen. Der Quartalsumsatz der Online-Sparte reduzierte sich um vier Prozent, wozu auch geringere Werbeeinnahmen beitrugen. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) gab auf Quartalsbasis sogar um elf Prozent nach.
Wie die jüngsten Zahlen zeigen, entwickelte sich das klassische Mediengeschäft der ehemaligen Time Warner Company durchaus erfreulich. Der Internetanbieter hatte den Medienkonzern im Jahr 2001 für rund 100 Milliarden Dollar übernommen. Die Fusion gilt bei vielen Beobachtern angesichts der Geschäftsergebnisse als gescheitert die erhofften Synergieeffekte lassen auf sich warten.
Die Rückkehr von AOL in die Gewinnzone könne dauern, sagte Parsons nach Vorlage der Zahlen. Das Konzern-Ebitda werde im laufenden Jahr stagnieren vor allem wegen der schwachen Geschäftsentwicklung bei AOL. Parsons kündigte zudem einen verschärften Abbau des Schuldenberges an, der bis 2004 auf 20 Milliarden Dollar sinken soll. Angesichts der hohen Abschreibung ist durchaus eine Herabstufung der Konzernschulden durch die Rating-Agenturen möglich.
Bereits am Dienstag hatte Turner sein Büro im 14. Stock der CNN-Zentrale in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia geräumt, wie die «New York Times» berichtete. Schon zuvor habe er große Teile seiner Sammlung von Gemälden aus dem amerikanischen Bürgerkrieg und seinen Pokal von der Segelregatta America's Cup entfernt. Turner wolle in den Ruhestand gehen und sich künftig verstärkt philanthropischen Tätigkeiten zuwenden, hieß es aus seinem Umfeld. Auch könne er sich intensiver um die geplante Fusion zwischen CNN und dem zum Disney-Imperium gehörenden Nachrichtensender ABC kümmern.
Die gewaltige Abwertung der Onlinesparte nährt zudem Spekulationen, der Konzern könne sich von AOL trennen. Bislang hatte Parsons entsprechende Berichte stets energisch zurückgewiesen. Fraglich ist auch, wer AOL kaufen sollte. Angesichts der Krise im Internet- und Medienbereich dürfte die Käufersuche schwierig werden. Bezeichnend ist, dass bislang keine Spekulationen über einen Kaufinteressenten kolportiert wurden.
Für das Web ediert von Kai Makus alt

