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Wirtschaftsweise sehen keine Trendwende

13. Nov 2002 11:47, ergänzt 15:36
Die fünf Wirtschaftsweisen rechnen nicht mit einer deutlichen Erholung der Konjunktur im kommenden Jahr. Es bestünden noch erhebliche Risiken, dass sich die Lage weiter verschlechtern könnte, so die Experten.

Thema: Konjunktur-Prognosen
Auch die fünf Wirtschaftsweisen sehen in ihrem am Mittwoch vorgestellten Gutachten keine deutliche Konjunkturerholung im kommenden Jahr. In diesem Jahr werde die Wirtschaft in Deutschland nur um 0,2 Prozent wachsen, hieß es in dem Jahresgutachten des Sachverständigenrats.

Für das kommende Jahr prognostizieren die Experten ein Wachstum von «allenfalls einem Prozent». Nach Einschätzung des Rates bestehen weiterhin erhebliche Konjunkturrisiken - insbesondere durch mögliche Konflikte im Nahen Osten. Ein eventueller Krieg im Irak sei aber bereits bei der Vorhersage berücksichtigt worden.

Konsumenten verunsichert

Die Prognose für das kommende Jahr steht nach Angaben des Rates «auf tönernen Füßen». Die Binnenkonjunktur sei weiterhin zu schwach, um das Wachstum zu beflügeln. Die rot-grünen Steuer- und Abgabenerhöhungen verunsicherten die Konsumenten.

Die Bundesregierung hatte ihre Schätzung jüngst auf 0,5 Prozent für dieses und 1,5 Prozent für das nächste Jahr korrigiert. Die sechs führenden Wirtschaftsforschungs-Institute erwarten laut ihrem Herbstgutachten 0,4 Prozent Wachstum in diesem Jahr und 1,4 Prozent im kommenden Jahr. «Deutschland leidet seit Jahren unter einer ausgeprägten Wachstumsschwäche», befanden die Wirtschaftsweisen am Mittwoch.

Defizit-Grenze wird auch 2003 überschritten

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Eine Trendwende am Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht: Vor allem die Lage im Osten bleibe weiterhin kritisch, heißt es in dem Gutachten. Nach Meinung der Wirtschaftsweisen wird sich die Job-Krise trotz des Hartz-Konzepts weiter verschärfen. Die Vorschläge seien ein richtiger Ansatz, reichten aber längst nicht aus für eine Trendwende.

Reformen seien dringend notwendig. Der Rat legte ein 20 Punkte umfassendes Reformkonzept vor, in dessen Zentrum die Reform des Arbeitsmarktes steht. Darin wird mehr Flexibilität, eine Absenkung der Lohnschwelle für die Beschäftigung Arbeitsloser sowie ein Ausbau des Niedriglohnbereichs gefordert.

Zugleich warnte er vor einer Aufweichung des europäischen Stabilitätspakts und forderte die Regierung zu einem noch konsequenteren Konsolidierungskurs auf. Die Experten gehen davon aus, dass Deutschland auch im kommenden Jahr die Defizitgrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) überschreiten wird. «Die Lage der öffentlichen Haushalte ist dramatisch wie lange nicht mehr», heißt es weiter. Wenn Bund, Länder und Kommunen nicht entschlossen sparten, sei 2003 eine Nettoneuverschuldung von 3,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erwarten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll nach Auffassung der Experten den Inflationsprognosen mehr Gewicht einräumen als dem Geldmengenwachstum. Damit forderten die Gutachter die EZB auf, ihre Geldpolitik an einer direkten Inflationssteuerung auszurichten. Insgesamt bewerteten die Wirtschaftsweisen die Geldpolitik aber als angemessen. Die Zentralbank könnte zudem mit einer weiteren Leitzinssenkung zu einer Belebung der Konjunktur in Deutschland beitragen. (nz)

Wirtschaftliche Eckdaten für Deutschland
20012002*2003*
BIP-Wachstum0,60,21,0
Arbeitslosenquote9,49,810,0
Preissteigerung2,51,41,6
Finanzierungssaldo des Staates-2,7-3,7-3,3
Quelle: Sachverständigenrat *Schätzung der Wirtschaftsweisen
 
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