netzeitung.deFilmriss für «Herr der Ringe»

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Szene aus 'Lord of the Rings' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Szene aus 'Lord of the Rings'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Es hätte die Rettung sein können, doch jetzt hat der notleidende Filmverleih Kinowelt die Rechte an «Der Herr der Ringe» verloren. Ein neuer Verleih ist bereits gefunden.

Von Dieter Oßwald
 
Noch in der vorigen Woche hat Rainer Kölmel, der Herr der Kinowelt, im Branchenblatt «Blickpunkt Film» versichert, dass «Der Herr der Ringe» wie geplant von seinem Filmverleih in die deutschsprachigen Kinos gebracht werde. Nun ist alles anders.

Szene aus 'Harry Potter' Foto: Warner
Der angeschlagene Münchner Medienkonzerns hat seine Hoffnung mit millionenschwerem Besucherpotenzial endgültig verloren. Die amerikanische Produktionsfirma New Line teilte am Dienstag mit, das pompöse Fantasy-Spektakel werde in Deutschland nun vom Konkurrenten Warner verliehen. Der allerdings bringt pikanterweise drei Woche zuvor auch den «Ringe»-Rivalen «Harry Potter» auf die hiesigen Leinwände.
Auswirkungen auf die Kinoszene
Der Verlust der Tolkien-Verfilmung ist nicht nur ein schwerer Schlag ins Kontor der Kinowelt, die vom einstigen Musterknaben am Neuen Markt rapide zum Sorgenkind der Medienaktiengesellschaften abstieg. Der Niedergang des lädierten Verleihers dürfte auch für die bundesdeutsche Kinoszene Auswirkungen haben.

Zum einen, weil die Münchner selbst etliche Filmtheater, vom Multiplex bis zum Filmkunsthaus, betrieben. Zum anderen, weil im Programm nicht nur Kassenknüller à la «Rush Hour» und «Scream» standen, sondern traditionell ein üppiges Angebot an Kinokunst zu finden war: von kleinen «Independent»-Filmen über ambitionierte Hollywood-Ware wie «Thirteen Days» oder «Magnolia» bis zu anspruchsvollen Eigenproduktionen à la «Sunshine» oder zuletzt das deutsche «Sams».
Erste Adresse für unabhängige Studios
Seit dem Erfolg des «Englischen Patienten» sowie einem rasanten Börsengang avancierte die Münchner Kinowelt AG, ursprünglich einmal klein und fein in Stuttgart ansässig, zu den ganz Großen im Medien-Monopoly. Man schluckte renommierte Verleih-Konkurrenten wie «Pandora» («Das Piano») oder «Jugendfilm» und etablierte mit «Arthaus» eine eigene Filmkunst-Feinkostabteilung mit erstklassigem Programm.

Kevin Costner in 'Thirteen Days' Foto: Verleih
Für die unabhängigen US-Studios wie Miramax oder New Line avancierte die Kinowelt bald zur ersten Adresse auf dem deutschsprachigen Kinomarkt. Doch als die Kölmel-Brüder nicht nur nach Stars, sondern auch noch nach den Sternen im Showbusiness greifen wollten, ging es stattdessen bergab. Unglückliche Expansionen im Sportrechte-, Merchandising- und Internetbereich sorgten für herbe Verluste.
Hoffen auf das Sams
Vor vier Jahren rettete den damaligen Kleinverleiher der «Englische Patient» aus den einstigen Finanznöten. Der «Herr der Ringe» wird dieses Wunder nun nicht mehr vollbringen können. Bleibt als Hoffnung immerhin das «Sams», das am Donnerstag von der Kinowelt in die Kinos gebracht wird. Die Wunschpunkte des «Sams» könnten seine Filmproduzenten nun mehr denn je gebrauchen.