ZDF setzt Kinowelt Ultimatum
08.10.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Das ZDF will sich nicht die Finger verbrennen: Kinowelt verfügt offenbar nicht über die Rechte an den Filmen, die es dem Sender im Sommer verkaufte. Nun macht das ZDF Druck.
Die schlechten Nachrichten um Kinowelt reißen nicht ab: «Die Welt» berichtet in einer Vorabmeldung ihrer Dienstagausgabe, dass ein wichtiges Geschäft mit dem ZDF zu platzen drohe. Kinowelt habe nach Aussagen des ZDF-Programmdirektor Markus Schächter «die Verfügbarkeit an den Filmen» bisher noch nicht zusichern können. Das Medienunternehmen hatte dem ZDF im Juni 40 Filme zum Preis von etwa 40 Millionen Mark verkauft.
Das Programm muss geplant werdenNun sei das ZDF misstrauisch geworden und wolle aus dem Geschäft aussteigen. «Wir brauchen bis Ende der nächsten Woche Klarheit», sagte Schächter der Zeitung, sonst werde sich der Sender um andere Angebote bemühen. Schließlich sollten die Filme, darunter Bestseller wie «Matrix», vom nächsten Jahr an gesendet werden. Im übrigen sei das Geschäft mit Kinowelt gar nicht rechtskräftig. Der Sender habe die Verträge nicht unterschrieben.
Rückgabe nach HollywoodHintergrund für das Misstrauen ist offenbar das Filmpaket, das Kinowelt dem Hollywood-Studio Warner Brothers vor zwei Jahren für knapp 560 Millionen Mark abgekauft hat. Nach Angaben der «Süddeutschen Zeitung» verhandle das vom Konkurs bedrohte Unternehmen derzeit mit Warner Brothers über eine weitgehende Rückgabe des Filmpaketes, um die Schuldenlast zu drücken. Kinowelt will nur noch diejenigen Filme behalten, die sich in Deutschland weiterverkaufen lassen. Auch das ZDF sollte aus diesem Paket bedient werden.
ARD-Programmkoordinator Günter Struve sprang bereits von einem unsicheren Deal ab: Im Sommer wollte die ARD von Kinowelt ein Paket für knapp 20 Millionen Mark kaufen. »Wie beim ZDF konnten aber unsere Forderungen nicht erfüllt werden«, sagte Struve der «Welt». Die Kinowelt habe nicht den Nachweis erbracht, dass sie tatsächlich über die Filmrechte verfüge. (nz)