Neue Auflagen für den Betreiber: 

netzeitung.deBerliner S-Bahn droht noch größeres Chaos

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Wartende S-Bahnfahrgäste am Zoologischen Garten (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wartende S-Bahnfahrgäste am Zoologischen Garten
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Berliner S-Bahn muss zwei Drittel ihrer Wagen aus dem Verkehr ziehen - die Aufsichtsbehörde hat neue Auflagen erteilt. Auf der Hauptstrecke durch die Innenstadt fahren ab Montag gar keine S-Bahnen mehr.

Die S-Bahn Berlin GmbH hat vom Eisenbahnbundesamt (EBA) neue Auflagen erhalten. Wie aus den Unterlagen, die der Netzeitung vorliegen, hervorgeht, müssen nun auch die Räder und Radsätze in der Zugmitte untersucht beziehungsweise ausgetauscht werden. Die Prüffristen dafür legte das EBA auf Termine zwischen dem 10. August und dem 30. November fest.

Darüber hinaus ordnete das Bundesamt an, dass bei allen Rädern, die eine Laufleistung von maximal 1,5 Millionen Kilometern überschritten haben, schon bis zum 20. Juli, also kommenden Montag, eine Wirbelstromprüfung durchzuführen ist.

Für den Nahverkehr der Hauptstadt bedeutet diese Nachricht, dass es ab kommendem Montag zu weiteren massiven Einschränkungen kommen wird. So sollen in der Berliner Innenstadt zwischen Ostbahnhof und Berlin Zoologischer Garten gar keine S-Bahnen mehr verkehren, sondern «sieben Regionalzüge pro Stunde und Richtung die Verkehrsaufgaben der S-Bahn übernehmen».

Noch 130 Züge übrig
Im Klartext bedeutet die Anordnung, dass die rund tausend S-Bahnwagen der Baureihe 481 nun noch öfter in die Werkstatt müssen und nicht eingesetzt werden können. Wie die «Berliner Zeitung» berichtet, wären dann von den 630 Viertelzügen nur noch 160 einsetzbar. Pläne, nach der der S-Bahnverkehr auf der Innenstadt-Linie zwischen Ostbahnhof und Zoologischer Garten ganz eingestellt werden soll, wurden von der Bahn bisher nicht bestätigt.

Angesichts des S-Bahn-Chaos im Berliner Nahverkehr hat sich inzwischen auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eingeschaltet. Er warnte den Mutterkonzern der S-Bahn Berlin, die Deutsche Bahn, davor, das Ziel einer Bahn-Privatisierung weiter zu verfolgen. «Für die SPD ist klar: Das Thema ist beendet», sagte Wowereit der «Berliner Zeitung».

Auch der Sprecher der SPD-Linken, Björn Böhning, kritisierte, dass die Bahn an ihren Börsenplänen festhalte. «Niemand sollte zwei Mal gegen die selbe Wand fahren», sagte er der Zeitung. Die Missstände bei der Berliner S-Bahn zeigten deutlich, wie abwegig der Privatisierungskurs sei. Schon in der Vergangenheit hatten Kritiker des Bahn-Börsengangs kritisiert, dass der Konzern einen extremen Sparkurs fahre, nur um kapitalmarktfähig zu werden.

Noch düsterer formulierte der S-Bahn-Betriebratsvorsitzende Heiner Wegner die Lage. «Den S-Bahnern krampft sich das Herz in der Brust zusammen, wenn sie sehen, was mit ihrer S-Bahn gemacht worden ist», sagte er anlässlich einer Besprechung vor dem Berliner Senat und fügte prophetisch hinzu: Wenn die Deutsche Bahn ihren Kurs nicht grundlegend verändere, «wird es so schlimm, wie Sie es sich in ihren schlimmsten Träumen nicht vorstellen können». (nz/dpa-AFX)