Debatte um die Verantwortung für Datenskandal:
Mehdorn «kann auf keinen anderen zeigen»
30.01.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Hartmut Mehdorn
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Bahn hat private Daten von 173.000 ihrer Mitarbeiter heimlich überprüft. Nun sucht nicht nur der zuständige Minister Wolfgang Tiefensee den Verantwortlichen. Schon wird über die Zukunft von Bahnchef Mehdorn spekuliert.
Der Skandal um die systematische Überprüfung der Bahn-Mitarbeiter setzt Vorstandschef Hartmut Mehdorn unter Druck. Laut der Zeitung «Die Welt» wird in der SPD angeblich ernsthaft über einen Nachfolger für Mehdorn nachgedacht. Im Umfeld von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) würden bereits «konkrete Namen» gehandelt, berichtet die Zeitung und beruft sich auf den Aufsichtsrat. Mehdorn muss sich am heutigen Freitag vor dem Prüfungsausschuss des Bahn-Aufsichtsrats verantworten.
50 Prozent «Kipp»-Chance?Laut «Financial Times Deutschland» will das Gremium eine unabhängige Prüfung der Vorgänge einleiten. Außerdem wolle Bahn-Chefkontrolleur Werner Müller klären, ob Mehdorn selbst den Auftrag für die Überprüfung von drei Vierteln der Bahn-Belegschaft gegeben hat. In diesem Fall wäre Mehdorn schwer zu halten. «Die Wahrscheinlichkeit, dass Mehdorn kippt, liegt bei 50 Prozent», zitierte die «FTD» jemanden aus dem Aufsichtsrat. CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer sagte der «Berliner Zeitung», Mehdorn trage eine hohe Verantwortung für die Vorfälle: «Mehdorn kann auf keinen anderen zeigen und sagen, der hat das gemacht, ohne dass ich das wusste.» Eine Rücktrittsforderung wollte er aber nicht aussprechen. Das wird wohl auch so schnell kein anderer politischer Entscheidungsträger tun.
Die Wahl wirft ihre Schatten vorausEine Debatte um die Zukunft Mehdorns liegt vor der Bundestagswahl nicht im Interesse der Großen Koalition. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat denn auch «nur» eine umfassende und schnelle Aufklärung verlangt. «Es geht nicht an, dass immer neue Tatsachen scheibchenweise in die Öffentlichkeit gelangen», sagte Tiefensee der «Süddeutschen Zeitung». Das Unternehmen hatte eingeräumt, 2002 und 2003 heimlich 173.000 Mitarbeiter auf Korruptionsverdacht überprüft zu haben. Dies geschah mit einem Abgleich von Mitarbeiterdaten wie Wohnadressen, Telefonnummern und Bankverbindungen mit jenen von 80.000 Firmen, die Auftragnehmer der Bahn waren. (nz/dpa/AP)