18.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Einst gründete Bill Gates Microsoft. Heute unterstützt der Konzern High-Tech-Gründer
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wie Microsoft Unternehmensgründern hilft, hat Ruprecht Hammerschmidt am Beispiel eines Berliner Medizin-Start-ups erfahren. Ebenso, dass der Softwareriese selbst davon profitiert.
Eigentlich wollte Alexander Brandt seine Karriere als Mediziner an der Charité weiterverfolgen. Mehr als drei Jahre hat er in dem Berliner Krankenhaus in der Neurologie gearbeitet. Daraus wird jetzt nichts mehr. Wenn man so will, hat Microsoft ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Böse ist der 33-Jährige dem Softwareriesen aus den USA dafür nicht - eher dankbar. Statt eine Station im Krankenhaus leitet der Berliner nun sein eigenes Unternehmen Mediber, dessen Software Brandts früheren Kollegen in Krankenhäusern helfen soll, ihre täglichen Arbeitsschritte und Patientendaten leichter zu dokumentieren.
Suche nach AnsprechpartnernAus Sicht von Microsoft hat das Start-up Potenzial. Deshalb wurde es in dessen Gründerinitiative «unternimm was» aufgenommen. Damit fördert der Konzern junge Unternehmer wie Brandt intensiv mit Hilfen bei der technologischen Weiterentwicklung der Produkte, bei Vertrieb und Marketing und nicht zuletzt bei der Suche nach Finanzgebern.
Von Microsoft selbst erhalten die Gründer aber kein Geld. Doch öffnen sich bereits bei vielen Investoren die Türen, wenn sie von dem weltweit größten Softwareunternehmen auf ein Nachwuchstalent aufmerksam gemacht werden.
Kontakte sind letztlich auch das Kapital, das Brandt von der Förderung durch die deutsche Microsoft-Initiative erhofft. Denn er will mit seinem Unternehmen international wachsen und setzt auf eine Zusammenarbeit mit dem US-Konzern, der selbst Produkte für den Gesundheitsbereich anbietet. Brandt sieht darin die Chance für eine Kooperation, weil seine Speziallösung nicht mit dem Angebot von Microsoft konkurriere, sondern es ergänze.
Wer ist zuständig?Doch wäre es für ein kleines Berliner Start-up mit acht Mitarbeitern schierer Zufall, würde es in der unübersichtlich großen Microsoft-Zentrale den Zugang zu den richtigen Entscheidern finden.
Fast der gesamte Ort des Konzernsitzes Redmond nahe Seattle besteht aus diversen Microsoft-Gebäuden, in denen die unterschiedlichen Firmenbereiche untergebracht sind. Will einer der rund 40.000 Mitarbeiter vor Ort in eine andere Abteilung, ordert er firmeigene Taxis - die selbstverständlich umweltpolitisch ganz korrekt mit Hybridantrieb fahren. «In solch großen Unternehmen scheitern Versuche der Kontaktaufnahme bereits daran, den richtigen Ansprechpartner für unser Spezialgebiet zu finden», berichtet Brandt.
Dass er es doch geschafft hat, mit den entscheidenden Leuten am Konzernsitz zu sprechen, verdankt er der Unterstützung der «unternimm was»-Initiative, die Mediber seit 2005 unterstützt.
«unternimm was»-InitiativeDurch einen Gründerwettbewerb sind die Verantwortlichen des Förderprogramms auf den Berliner aufmerksam geworden. «Das ist der typische Weg für die Aufnahme in unser Programm», sagt Carsten Rudolph von Microsoft Deutschland. Wichtig für die Zusammenarbeit sei, dass das Geschäftsmodell der Start-ups einen Bezug zu Microsoft-Produkten habe. Außerdem müssten die Gründer selbst wachsen wollen. «Das ist aber nicht immer der Fall», berichtet Rudolph.
Natürlich profitiert auch der Softwareriese von der durch ihn gewährten Förderung. Nicht unmittelbar zwar, aber in Zukunft. «Ziel ist die frühe Zusammenarbeit mit jungen Unternehmen die Potenzial haben», sagt Rudolph. Nicht beabsichtigt sei hingegen der Aufkauf von Newcomern.
Es käme dem Konzern schon zugute, wenn innovative Angebote auf der Plattform von Microsoft laufen. Eine breitere Aufstellung bedeute eben auch mehr Umsatz. So könnten etwa die Patientenakten, die mit dem Programm von Mediber erstellt werden, auf dem Microsoft-Betriebssystem für den Gesundheitsbereich laufen.
Übernommen mit freundlicher Genehmigung der «Berliner Zeitung».