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Ragdish Bhagwati ins Deutsche übersetzt: 

Ein Lob der Globalisierung

08. Okt 2008 13:09
Wirtschaftswissenschaflter und Optimist Jagdish Bhagwati
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Jagdish Bhagwati widerspricht mit seinem Buch «In Defense of Globalization» den vielen Kritikern der Globalisierung. Für ihn hat der weltweite Handel ein «menschliches Gesicht», die Finanzkrise sieht er entspannt. Jens Teschke stellt den Denker vor.

Kinderarbeit, sinkendes Lohnniveau, Umweltverschmutzung - die Liste der Probleme, die aus Sicht von Globalisierungskritikern durch die weltweite Vernetzung der Wirtschaft erzeugt werden, ist lang. Stimmen, die der Globalisierung etwas positives abgewinnen können sind dagegen eher selten. Im gegenteil, die Finanzkrise, die von den USA nun auch weltweit die Börsen erschüttert, ist eher Wasser auf die Mühlen derjenigen, die sich schon immer gegen Derugaltion und weltweite Vernetzung ausgesprochen haben.

Der Wirtschaftswissenschaftler Jagdish Bhagwati hält dagegen. Mit sehr viel Optimismus und Humor stellte er am Dienstagabend sein nun auch in Deutsch erschienenes Werk «Verteidigung der Globalisierung» in Berlin vor. Darin greift er die Argumente der Globalisierungskritiker auf und entkräftet sie Zug um Zug. Er zeigt, wie die Globalisierung die Lebensbedingungen für Millionen von Menschen sogar erheblich verbessert hat.

Vorwürfe Stück für Stück entkräftet

Bhagwati nimmt sich die klassischen Vorwürfe der Attac-Bewegung als Kapitelüberschriften und stellt sie in Frage. «Armut: Verschärft oder gelindert?», Frauen: Geschädigt oder unterstützt?« oder »«Demokratie in der Klemme» lauten die Kapitel, in denen der einflussreiche Wirtschaftswissenschaftler, der als Kandidat für den Wirtschafts-Nobelpreis gehandelt wird, sich detailliert mit den Fakten in den jeweiligen Ländern auseinandersetzt.

Das Zahlenwerk wird dabei zum Glück aber nicht ermüdend, sondern, beim ersten Durchlesen zumindest, bringt Bhagwati spannende und nachvollziehbare Beispiele. Steigender Wohlstand und eine immer höhere Schulbildung in vielen Ländern Asiens und Afrikas seien Beweise dafür, dass die Globalisierung Teil der Lösung weltweiter Probleme und nicht der Auslöser für Armut und Unterdrückung in der Welt ist.

Bislang nicht auf Französisch erhältlich

Durchaus selbstbewusst machte Bhagwati am Abend klar, dass sein Buch, das bereits vor über einem Jahr erschienen ist, viel zur Beruhigung auch der Globalisierungskritiker getan hat. «Wenn ich weniger bescheiden wäre, würde ich

Globalisierungsgegner von Attac
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behaupten, dass mein Buch dau beigetragen hat, diese Ängste in der Welt zu beseitigen außer in den beiden Ländern, in denen das Buch noch nicht übersetzt wurde und den Anti-Globalisierungsgruppierungen somit noch nicht zur Verfügung steht. Auf Französisch gibt es das Buch immer noch nicht; für ein Land, das so stolz auf seine intellektuelle Kultur ist, weigert sich Frankreich in erstaunlichem Maße, Ideen, die seinen Vorurteilen widersprechen, auch nur zu diskutieren.»

Optimistisch in Bezug auf die Finanzkrise

Angesprochen auf die Finanzkrise zeigte sich Rhagwati optimistisch. Es gäbe durchaus Unterschiede zur Krise von 1929. Allein die Existenz der WTO und anderer weltweiter Finanzistitutionen stünden einem Kollaps entgegen. Ja, sicherlich wäre die gegenwärtige Krise einer «Herzattacke» vergleichbar. «Aber es ist ein Herzinfarkt, den wir überleben werden und der dann zu erhöhter Vorsicht führen wird.» Der Kapitalismus werden nach der Krise sogar stärker sein, so Bhagwati optimistisch. «Die Amerikaner sind ein sehr pragmatisches Volk, und zugleich ungemein innovativ. Von daher habe ich keine Angst, dass sie in Trauer verfallen werden.»

Zugeben musste der Wisenschaftler allerdings, dass die Finanzkrise auch eine ethische krise des Systems sei. Er rief zu mehr Verantwortungsbewusstsein bei Geschäftsführern und Aufsichtsräten auf. Er sei durchaus auch ein Freund von Regulierungen im Bankenbereich.

Die deutsche Ausgabe seines mittlerweile als Standardwerk geltenden Buchs hat der Verlag zudem mit einem Vorwort versehen, dessen Autor bislang nicht unbedingt sofort mit einem Pro-Globalisierungskurs assoziiert wurde: Joschka Fischer. Er schreibt: «Jedes System kennt Gewinner und Verlierer. Aus Jagdish Bhagwatis Sicht - und darin kann ich ihm nur ausdrücklich zustimmen - überwiegen bei der Globalisierung eindeutig die Gewinner.»
 
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