Reaktion auf Finanzkrise:
Island will Banken verstaatlichen
06. Okt 2008 22:10
 |  Die Zentrale der Glitnir-Bank in Reykjavik | Foto: dpa |
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Das wirtschaftlich angeschlagene Island will die Kontrolle über das Banksystem übernehmen, um einen Zusammenbruch der Branche zu verhindern. Die EU-Länder Portugal und Spanien haben ebenfalls auf die Krise reagiert.
Islands Regierung will per Notstandsgesetz den Zusammenbruch des Bankensystems verhindern und bereitet die Verstaatlichung der kompletten Branche vor. Wie Ministerpräsident Geir Haarde am Montagabend vor dem Althing (Parlament) in Reykjavik ankündigte, soll unter anderem die Größe der drei dominierenden Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir «an die neue Lage angepasst werden».
«Wir sind bereit, dafür die Kontrolle über die Banken zu übernehmen», sagte Haarde. Für den Fall des Kollaps' von einer oder allen Banken garantiert der Staat die Einlagen in unbegrenzter Höhe. Das Notstandsgesetz sollte noch am Abend verabschiedet werden. Bereits vor der Ankündigung hatte die Regierung am Montag eine unbegrenzte Garantie für private und kommerzielle Bankeinlagen ausgesprochen. Vorausgegangen war ein kompletter Stopp des Handels mit Aktien aus der Finanzbranche an der Börse in Reykjavik. Davon betroffen waren auch die größten Banken. Glitnir konnte in der Vorwoche nur durch Übernahme von 75 Prozent der Anteile durch die Regierung für 600 Millionen Euro vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Ein Minister der Regierung sagte im Fernsehen, eine weitere Bank sei in Schwierigkeiten. Er wollte den Namen nicht nennen.
International expandiert
Die isländischen Banken hatten in den vergangenen Jahren international extrem stark expandiert und gelten als viel zu groß für nationale Rettungsmaßnahmen auf der Nordatlantikinsel mit gut 300.000 Einwohnern. Allein Kaupthing bewegt ein Kreditvolumen in achtfacher Höhe des jährlichen isländischen Bruttoinlandsproduktes. Mit einer Inflationsrate von fast 15 Prozent und Leitzinsen von 15,5 Prozent war Island schon vor Ausbruch der internationalen Finanzkrise stark angeschlagen. Die Landeswährung Krone hat in den letzten zwölf Monaten über 70 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Euro verloren. Allein am Montag gab der Kurs um 12 Prozent nach.
Portugal wird Spareinlagen sichern
Portugal wird aufgrund der weltweiten Finanzkrise ebenso wie Irland oder Deutschland für die Spareinlagen seiner Bürger einstehen. «Was immer geschehen wird, die Guthaben der Portugiesen bei jeder Bank in Portugal werden garantiert», sagte Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos am Montag am Rande eines EU-Finanzministertreffens in Luxemburg. Der Minister sprach sich dafür aus, dass alle EU-Staaten entsprechende Garantien abgeben sollten, um das Vertrauen der Bürger in das Finanzsystem zurückzugewinnen. Er ließ allerdings nach portugiesischen Medienberichten offen, ob diese Garantie für Guthaben in unbegrenzter Höhe gilt. Bisher sind in Portugal Spareinlagen bis zu einer Obergrenze von 25.000 Euro garantiert.
Spanien stockt Garantiefonds auf
Spanien kündigte an, dass der Garantiefonds für Sparguthaben mit sofortiger Wirkung aufgestockt wird. Auf einen solchen Schritt verständigte sich Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero bei einem Treffen mit den Präsidenten der großen Banken und Sparkassen in Madrid. Bisher sichert der in Spanien bestehende Garantiefonds Guthaben von bis zu 20.000 Euro ab. Zu dem Fonds steuern die Banken und Sparkassen Mittel bei. Spanische Regierungskreise ließen jedoch offen, um welchen Prozentsatz das Volumen des Fonds und die Höhe der jeweils garantierten Guthaben aufgestockt werden sollen. (dpa)