Französische EDF expandiert:
Atomgigant auf Feldzug durch die Welt
24.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Doch Gadonneix lässt sich von Bedenken nicht bremsen. Vier Atomreaktoren will er mit BE in Großbritannien bauen, vier weitere mit Constellation Energy in den USA und zwei mit DGNPC in China. Auch Südafrika will er reichlich mit Kernkraft versorgen. Und überall sollen es sogenannte Europäische Druckwasserreaktoren (EPR) sein.
EDF als globaler Atomkraftprotz: Das passt in die Strategie von Präsident Nicolas Sarkozy, französische «Energiechampions» zu bauen, die über die Dominanz der Märkte die «Souveränität Frankreichs im strategischen Energiebereich» garantieren. Weltweit bietet Sarkozy den EPR an, um die Staaten im Energiebereich an Frankreich zu binden. Die staatlich gelenkte EDF ist da ein wichtiger Hebel, aber auch der teilstaatliche Strom- und Gasversorger GDF Suez, der staatliche Atomtechnikkonzern Areva und der Öl- und Gasproduzent Total. «Paris verstaatlicht die privatisierten Energienetze der Partnerstaaten», sagen Kritiker. Umgekehrt haben ausländische Konzerne kaum Chancen in Frankreich. Als der italienische Versorger Enel bei Suez einsteigen wollte, sorgte Paris für die Abwehr der Italiener und die Fusion von Suez mit der staatlichen französischen GDF.
Feldherr Gadonneix sammelt derweil schon seine Truppen für die nächste Schlacht. Im «strategischen Zielland USA» zieht er gegen den Milliardär Warren Buffet zu Felde. Buffet will für 4,7 Milliarden Dollar Constellation übernehmen - also den Konzern, mit dem EDF vier ERP-Reaktoren bauen will. Gadonneix bietet jetzt ein Drittel mehr als Buffet. Er könnte sich aber auch mit Buffet auf eine Partnerschaft einigen oder aussteigen und nach anderen Partnern Ausschau halten. «Wir haben schon Land für die vier EPR gekauft», sagt Gadonneix. «Wir haben genug Geld, um flexibel handeln zu können.» (Hans-Hermann Nikolei, dpa)

