12.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bahnchef Mehdorn: Ist der Zug für ihn abgefahren?
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
2,50 Euro können jede Menge Schaden anrichten. Das weiß der heftig angefeindete Bahnchef nun auch. Obwohl die Bedien-Pauschale zurückgenommen wurde, verstummt die Kritik an seiner Preispolitik nicht.
Der Bedienzuschlag ist vom Tisch. Die Kritik an der Deutschen Bahn bleibt. Während von Seiten der Bahn erste Rechtfertigungsversuche kommen, gerät der immer wieder in Frage gestellte Bahnchef Hartmut Mehdorn in das Kreuzfeuer der Kritik. «Die Bundesregierung darf einen Bahnchef, der Kundeninteressen vorsätzlich mit Füßen tritt, nicht weiter tolerieren», forderte Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn.
Bundesregierung, Verbraucherschützer und Fahrgastverbände hatten zuvor die Bahn-Pläne heftig kritisiert, pro Fahrkarte, die am Schalter gekauft wird, eine Zusatzgebühr von 2,50 Euro zu erheben. Beim Kauf einer Hin- und Rückfahrkarte wären gar fünf Euro fällig geworden. In einem Brief des Bahnvorstandes an die Mitarbeiter hieß es, die «emotionale Diskussion dieses Themas in der Öffentlichkeit» zeige, «dass der geplante Bedienzuschlag auf grundsätzliche Ablehnung stößt». Auch wenn dieser Plan nun abgewehrt wurde, eine Fahrpreiserhöhung von durchschnittlich 3,9 Prozent zum 14. Dezember wird es voraussichtlich trotzdem geben.
Geplante Preiserhöhung sei «moderat»Als «verursachergerecht» rechtfertigte der Bahnvorstand in dem Brief den geplanten Zuschlag. Zahlende Kunden zu Kostenverursachern diskriminiert, Grünen-Chef Kuhn hat genug von der Konzernpolitik: «Mehdorn hat bewiesen, dass er vom geplanten Börsengang völlig verblendet ist.» Er verdränge vorsätzlich, dass es bei der Bahn um die Kunden gehe. Der Bahn fehle der Wettbewerb. Völlig unverständlich sei es, dass der Aufsichtsrat der Bahn nicht frühzeitig die Notbremse gezogen habe. «Ein Aufsichtsrat von Abnickern ist überflüssig.»
Auf Seiten der FDP herrscht ebenso Unverständnis für die Preispolitik der Bahn. Der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich warf der Bahn vor, die Preise seit 2004 um 22,9 Prozent erhöht zu haben. «Mit gestiegenen Lohnkosten haben die Preiserhöhungen nichts zu tun», sagte er. Tatsache sei, dass der Personalaufwand im Fernverkehr 2007 mit 586 Millionen Euro sogar niedriger lag als 2004 mit 599 Millionen Euro.
Dennoch begründet der Vorstand im Mitarbeiterbrief die geplanten Preiserhöhungen mit der «überproportionalen» Steigerung der Personalkosten und einer «extremen» Entwicklung der Energiepreise. Die geplante Erhöhung von 3,9 Prozent sei «sehr moderat», heißt es in dem Schreiben.
Bundesregierung hat auf Probleme hingewiesenWas letztlich den Ausschlag für den Rückzug der Deutschen Bahn gegeben hat ist unklar. Bis zur Entscheidung hat die Führung des Bundesverkehrsministeriums nach Angaben aus Regierungskreisen «lange auf Bahnchef (Hartmut) Mehdorn eingeredet». Bundesminister Wolfgang Tiefensee (SPD) habe in der vergangenen Woche mehrfach vergeblich an Mehdorn appelliert, die in der Öffentlichkeit breit kritisierte Entscheidung für diesen Servicezuschlag wieder fallen zu lassen. Berichten, wonach auch Bundeskanzlerin Merkel den Kontakt zu Mehdorn gesucht haben soll, wollte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm nicht bestätigen. Die Bundesregierung habe aber in der Vergangenheit «auf die Probleme hingewiesen», die sie mit dem Bedienzuschlag habe.
In der DB-Aufsichtsratssitzung am Mittwoch dieser Woche hätten auch etliche Aufsichtsratsmitglieder Mehdorn bedrängt, die Erregung in der Öffentlichkeit wahrzunehmen und den Kostenaufschlag für die Kunden fallen zu lassen, hieß es. In der Sitzung habe auch Tiefensees Staatssekretär Matthias von Randow noch einmal erklärt: Der Bedienzuschlag «schadet dem Unternehmen». Abzuwarten bleibt nun, wie Schadenswiedergutmachung bei der Bahn aussieht. (nz/AP/dpa)