Tagesthema Bier:
Wenn Frauen brauen
17. Jun 2008 10:23
 |  In ihrem Sudhaus begrüßen Mutter und Töchter täglich Gäste | Foto: Brauerei Strate |
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Friederike Strate war die jüngste Braumeisterin Deutschlands. Seit mehr als zehn Jahren leitet sie nun mit ihrer Schwester Simone die Brauerei Strate - und das sehr erfolgreich.
Alexandra Meyer hat sich in dem Detmolder Betrieb umgesehen.
Viel Verantwortung für die jungen Frauen: In fünfter Generation führen Friederike und Simone Strate die Familienbrauerei. Nicht gerade ein Frauenberuf, doch die beiden sind in dem Betrieb groß geworden, und nach dem Tod ihres Vaters vor 13 Jahren war klar: Es geht weiter.
Friederike Strate, Jahrgang 1964, war mit 19 die jüngste Braumeisterin Deutschlands, ihr liegt der Beruf im Blut. Ihre fünf Jahre jüngere Schwester Simone studierte Wirtschaft und wollte eigentlich etwas anderes machen. Doch auf Bitte des Vaters kam sie zurück ins Familienunternehmen. Kurze Zeit später starb er an Krebs.
Sie setzen auf Lokales
Die Schwestern nahmen die Zügel in die Hand und führen den Betrieb bis heute erfolgreich weiter. Und so begrüßen sie täglich mit ihrer Mutter die Besuchergruppen der Brauerei. Für großes Marketing hat die Privatbrauerei kaum Geld, deshalb ist es besonders wichtig, gut mit den lokalen Einrichtungen vernetzt zu sein. Kegelclubs und Gesangsvereine kommen gerne zur Besichtigung und vor allem auf ein Bier vorbei.
Die Brauerei legt besonderen Wert auf die regionale Verbundenheit. Die Rohstoffe kommen aus der Gegend, dass Bier bleibt dort, nur bis etwa 120 Kilometer von der Braupfanne entfernt wird geliefert. Rund 200 Zulieferer versorgen den kleinen Betrieb mit Gerste, Hopfen und Verpackungsmaterial. Und die Ostwestfalen identifizieren sich mit «ihrer Brauerei». Jährlich kommen 15.000 zur Stippvisite, die Besichtigungen sind ein Jahr im Voraus ausgebucht.
Nummer zwei der Bügelflaschen
Die jungen Frauen sind erfinderisch: Als der Vater noch lebte, gab es nur Pils in Bügelflaschen. Die nostalgischen Flaschen wurden beibehalten und so wurde die Brauerei Strate die Nummer zwei für Bügelflaschen, direkt hinter Flensburger Pils. 39 Millionen der Bügelflaschen verließen 2007 die Brauerei, der Umsatz stieg auf über elf Millionen Euro.Die 33 Mitarbeiter produzieren mittlerweile neun verschiedene Sorten, darunter auch Weizenbier oder ein Cola-Bier-Mix. Nur alkoholfreies Bier will Friederike Strate nicht im Sortiment. Für sie soll Bier ein bisschen fröhlich machen, dafür eignet sich Alkoholfreies wohl kaum.
Bier mit Tradition
Trotz der enorm gestiegenen Rohstoffpreise laufen die Geschäfte gut. Simone Strate verhandelt hart mit den Zulieferern, sie weiß genau, wie viel die Zutaten kosten dürfen, denn eine Preiserhöhung lässt sich nicht durchsetzen, solange die Marktführer nicht auch ihre Preise anheben. Die Frauen müssen sorgfältig schauen, welche Rohstoffe sie wann brauchen. Hier wird nichts dem Zufall überlassen.Seit 140 Jahren wird der Gerstensaft in der Privatbrauerei produziert. Den Frauen kommt es dabei auf den Geschmack an. Wo andere mildes Gold-Bier neu auf den Markt bringen, überlegen die Drei sorgfältig, wie ihr Bier schmecken soll und was es Neues geben könnte. Für die eher bierarme Winterzeit gibt es sogar Glühbier.
Um die Zukunft des Unternehmens machen sich Mutter und Töchter keine Sorgen. Simone Strate hofft, dass eines ihrer Kinder die Brauerei weiter führt. Bis dahin ist aber noch lange Zeit. Im Moment wachsen die beiden Kleinen im Familienbetrieb auf, so wie schon die Generationen zuvor.
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